Profi-Empfänger
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AEG E800/2

AEG/Telefunken E1800/3

Enablia TitanSDR Hagenuk RX 1001 M Icom IC-R9500 Lowe HF-235
Racal RA1792 Racal RA3712 Reuter RDR54 Reuter RDR55D RFT EKD 500 SRT CR91
Telefunken E1501 Telefunken E1700 Ten-Tec RX340 Watkins Johnson HF-1000    

Alle hier aufgeführten Profi- Empfänger wurden an SWL- üblichen Antennen betrieben und getestet. Profi- Antennen standen leider nicht zur Verfügung.

 

Icom IC-R9500

Der Breitbandempfänger  Icom IC-R9500 ist der direkte Nachfolger des IC-R9000, der seinerzeit als Breitbandempfänger Zeichen setzte. Kein anderes Gerät vereinte die Kurzwelle mit den oberen Frequenzbändern auf ein solch hohen Empfangsniveau. Der IC-R9500 wurde im Jahr 2007 am Markt eingeführt und wird bis heute (2015) noch gebaut.

Sieht man sich den IC-R9500 genauer an, fällt dem geschulten Auge sofort die exzellente Verarbeitungsqualität auf. Das Gerät wird in elegantem Grauweiss gehalten. Die blaue Umrandung der Frontplatte aus Aluminium, gibt dem Gesicht des IC-R9500 den besonderen Touch. Mit dieser Farbgebung erinnert er an die Empfänger von Rohde&Schwarz. Die Haptik der Bedienelemente ist ganz einfach phänomenal! Da stimmt einfach alles. Der grosse und schwere VFO- Knopf erzeugt einen Schwungradeffekt, wie ich ihn noch bei keinem anderen Empfänger zuvor erlebt habe. Zudem lässt sich die Rast- Funktion aktiveren, will man von Kanal zu Kanal schalten.

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Schraubt man das Gerät auf um die Innereien zu bestaunen, wird man überrascht sein, was für ein Gewicht dieser schwere Junge auf die Waage bringt. Ganze 20kg geballte Empfangstechnik hält man da in den Händen! Wobei das meiste Gewicht auf die Chassis und die Gerätehülle fallen. Nach geschätzten 30 Schrauben ist das Gerät geöffnet und es offenbaren sich penibel voneinander abgeschirmte Platinen. Die Chassis besteht aus dickem Alu-Druckguss und ist absolut Verwindungsfrei. Die Elektronikplatinen sind allesamt mit dicken Blechabdeckungen abgeschirmt. Das integrierte Schaltnetzteil ist sogar doppelt abgeschirmt. Der mechanische Aufbau kann vollends überzeugen und ist auf Profi-Niveau. Das ein solches Gerät wärme produziert, liegt auf der Hand. Um die Wärmebelastung auf die Elektronik in Grenzen zu halten, hat der IC-R9500 auf der Rückseite einen Lüfter eingebaut. Dieser schaltet ein, wenn eine bestimmte Temperaturgrenze überschritten wird. Leider ist der verbaute Lüfter einer der lauten Sorte! Dieser macht regelrecht Krach! Sogar wenn man mit Kopfhörer arbeitet, ist dieser zu hören. Für ein Gerät der Luxusklasse, ein absolutes NoGo! Ich habe mich diesem Lüfter mal angenommen und ihn gegen einen "Silent Fan" ersetzt. Das Ergebnis kann unter folgendem Link angeschaut werden. "Icom IC-R-9500 Fan Modification"

Der IC-R9500 in Action (Full HD Video)

 

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Der IC-R9500 ist ein sehr flexibler Empfänger.

Die Vorderseite des IC-R9500 ist übersäht mit Drehknöpfen und Tasten. Da muss man sich erstmal  Übersicht verschaffen. Ganz ohne Bedienungsanleitung geht es dann doch nicht, bei so vielen Funktionen und Einstellmöglichkeiten. Aber mit etwas technischem Wissen, klappt die Bedienung nach kurzer Zeit recht gut. Vorneweg kann gesagt werden, dass am IC-R9500 fast jede Funktion nach eigenem Geschmack eingestellt werden kann.

Der IC-R9500 ist mit allen wichtigen Funktionen ausgestattet, die der versierte DX’er oder SWL für die Jagd nach schwachen und seltenen Sendern braucht:

- grosser  7“ Farbdisplay mit der Auflösung  800x480 Pixel
- alle wichtigen Betriebsarten
- DSP-Bandbreitenfilter in grosser Auswahl
- Doppeltes Passband-Tuning
- Individuell einstellbare /regelbare AGC
- Automatischer Notchfilter
- 2 manuelle Notchfilter. Austasttiefe und Breite einstellbar
- grosser Drehknopf mit einstellbarem Schwungradeffekt und mehrstufiger Bremse
- 10 VFO‘s
- vorprogrammierte Frequenzschritte & ein frei programmierbares (Tuning Step)
- Sehr wirksamer Rauschfilter (NR)
- Sehr wirksame Höhen & Bassregler
- 2 Noiseblanker. Austasttiefe& Breite einstellbar
- Eingebauter Sprachrecorder
- Eingebauter, gut klingender Lautsprecher
- Multifunktionales Spektrum Skop mit eine max. Sichtbreite von 1000MHz.
- Eingebauter  FSK-Decoder mit direkter Ausgabe auf den 7“ Display
 
 
Hier die wichtigsten technischen Daten.
 
Doppel-DSP mit je 32bit (eine DSP für den Empfänger, die andere für das Spektrum)
Frequenzbereich:  5KHz bis 3335MHz durchgehend
Betriebsarten: AM, AMS, USB, LSB, CW, FSK, FM, WFM, P25(Option)
DSP-Bandbreiten:
AM: 200Hz bis 10KHz in 200Hz Schritten einstellbar
SSB, CW: 50Hz bis 500Hz in 50Hz Schritten einstellbar (Filterkarakteristik einstellbar Soft & Sharp)
                 600Hz bis 3600 in 100Hz Schritten einstellbar
FSK: 50Hz bis 500Hz in 50Hz Schritten einstellbar
        600Hz bis 2700 in 100Hz Schritten einstellbar
FM: 7KHz, 15Khz, 50Khz fixe Bandbreiten
WFM: 180KHz fixe Bandbreite
5 Roofingfilter: 240, 50, 15, 6, 3kHz (Vorfilter)
Hervorragendes Grosssignalverhalten auf KW mit +40dBm IP3
Dynamikbereich bis 109dB
Speicherplätze: 1220, alphanumerisch Beschriftbar
Signalstärkeanzeige in: S-Werten, dBµ, dBµ[EMF], dBm
 
Die Rückseite des Empfängers bietet eine vielzahl von Anschlussmöglichenkeiten. Das wären:
1. Buchse für externen Lautsprecher
2. DC-Ausgang (15,0 V)
3. ACC-Buchse
4. DC-Ausgang (13,8 V)über [ANT]-Taste geschaltet (für Aktivantennen)
5. Referenzfrequenz-Ein-/Ausgang
6. Sprachsynthesizer-Ausgang
7. NF-Ausgang für externen Recorder
8. Fernsteuerbuchse für externen Recorder
9. Detektor-Ausgang
10. Video-Eingangsbuchse
11. Video-Ausgangsbuchse
12. Reserve-Buchse (unbeschaltet)
13. ZF-Ausgang (10,7 MHz)
14. Stromversorgungsbuchse (13,5 bis 15 V DC)
15. Sicherung
16. Netzbuchse
17. Hauptschalter
18. DATA-Eingangsbuchse
19. CI-V-Fernsteuerbuchse
20. RS232C-Anschluss
21. Anschluss für externen Monitor
22. Antennenbuchse 2
23. Ethernet-Buchse
24. Antennenbuchse 1/KW-Antennenbuchse 3
25. S/P-DIF-Ausgang
26. USB-Anschluss (für USB-Stick, Tastatur)
27. KW-Antennenbuchse 2
28. KW-Antennenbuchse 1
29. Erdungsklemme

Arbeiten mit dem IC-R9500

So ein Gerät lernt man nicht von einem Tag auf den anderen kennen. Es bedarf schon einige Zeit, um sich mit dem Funktionsumfang vertraut zu machen. Ich habe ihn über mehrere Monate, fast täglich betrieben und mit anderen Empfängern verglichen, hauptsächlich mit dem Watkins Johnson HF-1000. Aber auch der Perseus SDR und die NRD525/535 wurden hinzugezogen. Was die Verarbeitungsqualität und Haptik betrifft, schlägt er jeden anderen Empfänger.

Über die Empfangsleistung des IC-R9500 brauche ich eigentlich keine grossen Abhandlungen zu schreiben. Die sind über alles gesehen, absolute Spitzenklasse! Das Grosssignalverhalten ist kein Thema. Mit einer IP3 +40dB verkraftet er auch sehr grosse und Leistungsfähige Antennen. In gewissen Disziplinen aber, muss der IC-R9500 ein paar Federn lassen. Im direkten Vergleich mit dem HF-1000, in der Betriebsart AM-Synchron, schneidet der HF-1000 und der Perseus mit HDSDR-Software besser ab. Obwohl der Synchrondetektor des IC-R9500 wählbare Seitenbänder hat, lässt die Seitenbandunterdrückung des Synchrondetectors zu wünschen übrig. Das andere Seitenband wird nicht sehr gut gedämpft. Das zeigten Vergleiche mit dem Perseus SDR, der mit HDSDR betrieben wurde. Auch die Stabilität des Synch.- Detektors ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Er verliert oft die Synchronisation. Erinnert etwas an den Ten-Tec RX-340. Zudem verliert der Noiseblanker die Wirkung in dieser Betriebsart. Die Weidezaunimpulse, die hier sehr oft zu hören sind, werden hörbar, sobald AMS aktiviert wird. Beim HF-1000 bleiben diese stumm auf AMS. Immerhin eliminiert der Synch.- Detektor des IC-R9500 das AM- typische Knistern.

Die Empfindlichkeit des IC-R9500 ist auf der Langwelle/Mittelwelle annehmbar, lässt sich aber durch die rauscharmen Vorverstärker noch  erhöhen. So kann er mit dem HF-1000 in diesem Bereich problemlos mithalten. Auf der Kurzwelle wird er mit nahezu jeder Situation fertig und liefert über alles gesehen, meistens das bessere Signal als der HF-1000. Das ist der vorbildlichen Ausstattung, mit den mächtigen Signalbearbeitungswerkzeugen, zu verdanken. Kein Werkzeug ist überflüssig oder funktioniert schlecht. Die zwei konfigurierbaren Noiseblanker, für mich besonders wichtig wegen den Weidezaunimpulsen, können überzeugen und filtern die störenden Impulse restlos weg. Eines starkes Werkzeug des IC-R9500 sind die getrennten Höhen- und Bass Regler, die sehr effektiv arbeiten. Der Ton kann in weiten Bereichen an die Empfangssituation angepasst werden. Er klingt natürlicher und analoger als der HF-1000. Der Audioverstärker ist perfekt ausgelegt und erzeugt kein Eigenrauschen.

Wenn die Empfangsbedingungen mal nicht so gut sind, hält der IC-R9500 einen regelbaren Rauschfilter bereit. Dieser „entrauscht“ das Nutzsignal auf angenehme Weise, solange man den Regler nicht zu weit aufdreht. Sonst fängt die Audio an zu blubbern (Artefakte). Die beiden manuellen Notchfilter sind regel- und konfigurierbar. Drei Filterbreiten stehen zur Verfügung. Damit lassen sich störende Pfeiftöne sehr effektiv aus den Nutzsignal rausstanzen.

Das doppelte Passband-Tuning (Twin-PBT) ermöglicht das Verschieben vom Durchlassbereich des Bandbreitenfilters. Und das auf beide Seiten gleichzeitig. Damit lassen sich Störungen im Durchlassbereich des Bandbreitenfilters ausblenden. Mit dem Twin-PBT lässt sich auch die Bandbreite flexibel einengen, betätigt man beide Knöpfe in die entgegengesetzte Richtung. Nicht zuletzt lässt sich die Bandbreite, in Schritten von 200Hz in AM und 100Hz in SSB, verändern. Leider ist die Vorgehensweise zum Verändern der Bandbreite nicht optimal gelöst. Man muss zuerst ins Bandbreitenmenu mit einem langen Druck auf die Filtertaste. Dort drückt man dann die „BW“-Taste und muss diese gedrückt halten. Dann kann man die Bandbreite mit dem grossen VFO- Drehknopf verändern. Schöner wäre gewesen, diese Funktion mit einem eigenen Knopf auszustatten und direkt zugänglich zu machen. Gutes Beispiel dafür ist die Bandbreitenverstellung des JRC NRD-545 DSP. Damit man nicht ständig diese Prozedur machen muss, lassen sich drei Bandbreiten fest programmieren und mit wiederholtem Druck auf die Filtertaste nacheinander aufrufen. Obwohl der IC-R9500 trennscharfe DSP-Filter besitzt, wurden im noch sogenannte "Roofingfilter" spendiert. Bevor das Signal die DSP-Filterung erreicht, wird dieses noch durch die wählbaren Roofingfilter geschleust. Das erhöht die Weitabselektion und somit die Trennschärfe.

In schwierigen Empfangssituationen spielt die AGC eine ausschlaggebende Rolle. Diese sollte idealerweise abschaltbar und regelbar sein. Diese Voraussetzungen erfüllt der IC-R9500 in beindruckender Weise. Die AGC kann für AM und SSB getrennt programmiert werden. Es lassen sich Werte für SLOW, MID, FAST programmieren. Alternativ lassen sich diese programmierten Werte umgehen indem man auf manuelle Regelung mittels dafür vorgesehenen Drehknopf schaltet. Bei schwierigen Empfangsbedingungen kann man die AGC auch ganz ausschalten und mit dem RF-Gain feinfühlig einpegeln. Leider wirkt der RF-Gain auf die Signalstärkeanzeige. Untypisch für ein Profi-Empfänger.

Für den DX'er fast unverzichtbar, ist der eingebaute, digitale Sprachrecorder. Dieser verfügt über zwei Modes. Für Kurz- oder Langzeitaufnahmen. Die Kurzzeitaufnahme kann bis 30Sek. dauern. Diese Funktion wird mit einem kurzen Druck auf die "Rec"-Taste aktiviert. Praktisch für Stationsansagen die man nicht richtig verstanden hat. Die Langzeitaufnahme wird mit einem langen Druck auf die "Rec"-Taste aktiviert. Diese kann so lange dauern bis der Speicher voll ist. Der interne "CF-Card"-Speicher hat eine Kapazität von 121MB. Es kann auch ein USB-Stick angeschlossen werden. Dieser darf nicht über 2GB haben. Die Aufnahmequalität kann auch eingestellt werden, um den Speicherplatz besser nutzen zu können.

Der IC-R9500 bietet 10 VFO's an. Hilfreich, wenn man Signalstärkevergleiche von Sendern macht, wenn diese auf verschiedenen Frequenzen senden. Selbstverständlich behaltet jeder VFO-Speicher die Daten, die mit der Frequenz miteingestellt wurden.

Mit den 14 fixen Schrittweiten (Tuning Step) und einer programmierbaren Schrittweite zwischen 0.1KHz - 999.9KHz wird man meistens die passende Schrittweite finden. Nur "Meistens", weil die wichtige Flugfunkschrittweite/Kanalraster von 8.33KHz fehlt. Man kann wohl einen eigenen Schritt programmieren, aber leider nur auf 100Hz genau. Wenn man das Flugfunkband mit 8.33KHz abscannen will, hat man schlechte Karten, weil man nicht den passenden Schritt einstellen kann. Man wird immer daneben liegen.

Der IC-R9500 hat ein Suchlauf, der 40Kanälen/Sek. im Speichermodus schafft. Zudem verfügt er über ausgefeilte Suchlaufmechanismen die praktisch keine Wünsche offen lassen.

Dann wäre noch der Mittelpunkt des IC-R9500 zu erwähnen; das grosse 7" Display! Ohne dieses Informationszentrum, würde die Bedienung eines solch komplexen Empfängers schwierig werden. Auf dem Display lässt sich gleichzeitig das Spektrum, sowie Betriebszustände gleichzeitig anzeigen. Einstellbare Sichtweiten des Spektrums mit Höhrbaren Empfang sind 5KHz - 10MHz. Ohne Höhrbaren Empfang, lässt sich eine Sichtweite bis 1000MHz einstellen. Eine besondere Funktion ist der eingebaute FSK-Decoder, der die empfangenen Signale sofort in Klartext darstellt. Für ein Profi-RX untypisch, sind die hinterlegten Baud und Shift-Werte. Diese werden praktisch nur im Amateurfunk verwendet. Trotzdem lassen sich auch professionelle Dienste wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) problemlos damit decodieren. Synop in Klartext geht leider nicht. Leider ist dieses Spektrum nicht in Echtzeit, so wie bei einem guten SDR, sondern das Spektrum wird gewobbelt. Bei hoher Auflösung verliert das Wobbeln an Geschwindigkeit was das Tempo des Spektrums bremst. Schade, weil mit diesem Verfahren wird die Nutzbarkeit des Spektrums herabgesetzt. Da hätte man sicher mehr machen können. Zu der Entstehungszeit des IC-R9500 war die SDR Technik schon vorhanden. Hier ein dicker Minuspunkt für den IC-R9500! Trotzdem lässt sich das Spektrum für die Übersicht nutzen. Es lässt sich auch das Filtermenu mit den Twin-PBT anzeigen. Hier  werden die Filterfunktionen symblisch dargestellt. Sehr gut lassen sich die Speicherverwaltung und Scanfunktionen darstellen. 

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Der Empfang oberhalb 30MHz klappte sehr gut. Grossignalprobleme habe ich keine feststellen können. Das 6m-Band konnte mit meinen Antennen problemlos empfangen werden. Hier zeigte sich der IC-R9500 wieder als empfindlicher Empfänger. Im UKW-Hörfunk in der Betriebsart WFM entäuschte der IC-R9500 etwas. Hier hat Icom gespart! Man gönnte der Betriebsart WFM nur eine Filterbandbreite mit 180KHz! Für ein Empfänger eines solchen Kalibers, wäre eine zusätzliche Bandbreite von z.B. 110KHz oder 80KHz sicher nicht verkehrt. So wäre der IC-R9500 auch als DX-Empfänger für UKW gut gerüstet. Im Flugfunkband bot sich das Arbeiten mit dem Suchlauf an. Mit dem mittelmässigen Suchlauftempo ist das Flugfunkband in wenigen Sekunden abgesucht. Hier gibt eigentlich nichts zu bemängeln, ausser dass das 8.33KHz Raster fehlt und der Suchlauf immer neben der Frequenzzmitte anhält. Das 2m und das 70cm-Band funktionierten auch sehr gut. Leider war mangels Funkbetrieb auf diesen Frequenzen kaum was zu hören. Der Frequenzbereich des IC-R9500 geht bis 3335MHz. Um den Empfänger bis zur obersten Frequenz zu testen, bedarf es spezieller Antennen und Fachkenntnisse, über die ich leider nicht verfüge. So muss der Test halt beim 70cm-Band enden.

Fazit:

Der Icom IC-R9500 ist ein toller Empfänger mit unglaublich vielen Funktionen und Einstellmöglichkeiten. Er ist der Empfänger mit der besten Ausstattung den ich bis jetzt auf dem Tisch hatte. Das Gerät ist sehr robust gebaut und von herausragender Qualität. Die Empfangsleistung ist absolute Spitzenklasse und kann mit jedem anderen Empfänger konkurrieren. Obwohl er die Vollausstattung besitzt, sind gewisse Sachen nicht so schön. Am meisten störte der laute Lüfter das Empfangsvergnügen. Zum Glück liess sich dieses Manko schnell korrigieren. Auch das Spektrum hinterliess nicht gerade den besten Eindruck. Er arbeitet nicht in Echtzeit, was wirklich schade ist. Die Nutzbarkeit sinkt dadurch. Das dritte Manko ist das fehlen eines zusätzlichen, schmaleren Bandbreitenfilters für WFM. So verliert der IC-R9500 die DX-fähigkeit auf UKW. Der Empfang oberhalb 30MHz ist über jeden Zweifel erhaben. Die gebotenen Scan-Möglichkeiten lassen keine Wünsche offen. Schade, das der Flugfunk-Kanalraster von 8.33KHz sich nicht einstellen lässt. Der Synchrondetector hinterliess auch nicht den besten Eindruck, ist aber ein gutes Stück weit brauchbar. 

Der IC-R9500 ist der Superempfänger schlechthin!

Download: >Broschüre  >Spezifikationen

Audiovergleiche zwischen dem IC-R9500 und dem HF-1000 sind hier zu finden.

gepostet am 16.08.2015

 

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Enablia TitanSDR

Das kleine Unternehmen Enablia, wurde 2009 gegründet und besteht aus vier HF- und Software- Ingenieuren. Enablia ist in Rom, Italien ansässig. Mittlerweile kommen einige wichtige SDR's aus Italien. So verwundert es nicht, das Italien eine Vorreiterrolle in Sachen SDR- Entwicklung einnimmt.

Enablia, eine in der Hobby- und Amateurszene noch unbekannte Firma, präsentiert ein SDR, das sich hauptsächlich an professionelle Benutzer wendet. Das Militär und Überwachungsinstitutionen sollen in erster Linie angesprochen werden. Der TitanSDR ist aber in einer Preiskategorie angesiedelt, der ihn auch für Funkamateure und Kurzwellenhörer interessant macht.

Nach einer Anfrage bei Enablia, schickte mir Giovanni de Maio, der Chef von Enablia, den TitanSDR mit der Pro- Software für Tests und Vergleiche zu.

Die wichtigsten Daten:
-- Multikanal Empfänger mit max. 4 Weitbandkanälen von 312.5Khz bis 2.187500Mhz
-- 8 Schmalbandkanal Standardversion, 40 Schmalbandkanal Pro- Version
-- Frequenzbereich: 9khz - 40Mhz
-- Betriebsarten: AM, LSB, USB, CW, FSK, FM, eLSB, eUSB, DRM
-- Bandbreiten stufenlos von 200Hz bis 20Khz (abhängig von der Betriebsart)
-- Abstimmschritte mit den Pfeiltasten: 1Hz, 10Hz, 100Hz, 200Hz, 500Hz, 1Khz, 2Khz, 5Khz, 9Khz, 10Khz
-- 16 manuell schaltbare Bandpässe (Preselektor)
-- sehr gutes Grosssignalverhalten bis IP3+ 37dBm
-- AGC: Schnell, Langsam, Manuell
-- Panoramaspektrum, Weitband & Schmalbandspektrum & Wasserfall
-- Skalierbare Spektren
-- Aufnahme der Weitband- und Schmalbandkanäle
-- Timergesteuerte Aufnahmen des Frequenzbandes mit verschiedenen Konfigurationen
-- 6V Trafonetzteil im Lieferumfang

Die Hardware

Der TitanSDR kommt in einem massiven, hochwertig verarbeiteten Aluminiumgehäuse daher. Das Gerät ist in Schwarz gehalten und sieht Edel aus mit seinen Lasergravierten Inschriften. Das Gehäuse hat die Masse 243mm x 52mm x 145mm (BxHxT) und wiegt 1.5kg. Alle Anschlüsse sind vornehmlich auf der Rückseite des Gerätes platziert. Hier finden sich der BNC Antennenanschluss, ein SMA IF- Eingang, die 6V DC- Buchse, der Ein/Aus Schalter und der USB2- Anschluss. Auf der Unterseite befindet sich noch ein kleiner Lüfter für die Gerätekühlung.

Erfreulicherweise liefert Enablia ein 6V- Trafonetzteil mit. In der heutigen Zeit nicht selbstverständlich, da praktisch nur noch Schaltnetzteile üblich sind. Somit läuft man nicht Gefahr, sich den Empfang selber zu stören wegen ungeeigneter Stromversorgung.

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Blockdiagramm

Das Antennensignal durchläuft zuerst einen 4- Fach schaltbares Dämpfungsglied und trifft dann auf den manuell schaltbaren Preselektor, der 16 Bandpässe enthält. Nachdem das Signal einen Antialiasingfilter (Tiefpass) passiert hat, geht es weiter zum RF/IF Umschalter. Hier kann z.B. ein IF- Signal eines anderen Empfängers in den Titan SDR über die SMA- Buchse eingespeist werden.  Nach einer Verstärkung und Filterung gelangt das Signal zum 16Bit A/D Wandler. An der Stelle wird das analoge Signal digitalisiert. Das Signal passiert anschliessend einen FPGA, in dem die Frequenz selektiert und die Abtastrate reduziert wird. Hierbei wird der Dynamikumfang erhöht. Anschliessend wird das Signal über die USB2- Schnittstelle an den Computer übertragen.


 

Die Software

Die Installation verläuft ohne Probleme und geht recht schnell. Bei der Installation auf Windows 8 oder höher, sollte vor der Installation die Treibersignierung deaktiviert werden, weil sonst die Software nicht korrekt installiert wird.

Der TitanSDR spielt in einer etwas anderen Liga. Die Funktionalität der Software ist nicht direkt auf Suchempfang ausgelegt, so wie herkömmliche SDR's für den Amateur- und Hobbybereich. Der TitanSDR ist ein Multikanal- Empfänger mit der Hauptaufgabe, Fernschreibsignale jeglicher Art, zur Verarbeitung an Decoder weiterzureichen. Die Pro- Version der Software unterstützt die Decoderprogramme Krypto500 und Hoka Code300. Desweiteren können Bandüberwachungen und Analysen damit durchgeführt werden.

Wie im Diagramm ersichtlich, können die Daten per VAC (Virtual Audio Cable) an jedes Decodierprogramm das VAC unterstützt, weitergeleitet werden. Auch über das lokale Netzwerk (LAN) ist die Weitergabe der Daten an andere Computer möglich.

Darüber hinaus können 4 Weitband &  40 Schmalbandkanäle (Pro-Version) aufgenommen und gespeichert werden für spätere Analysen (Rec & Replay). Die Standardsoftware bietet lediglich 4 Weitband & 8 Schmalbandkanäle. Die Fernsteuerung des SDR's ist ebenfalls möglich.

Folgende Kombinationen von Weitbandkanälen sind möglich:
1 x 2.1875000 khz
1 x 1.875000 khz
1 x 1.562500 khz & 1 x 312.500 khz
1 x 1.250000 khz & 1 x 625.000 khz
1 x 1.250000 khz & 1 x 312.500 khz
2 x 937.500 khz
1 x 937.500 khz & 1 x 625.000 khz
1 x 937.500 khz & 2 x 312.5000 khz
2 x 625.000 khz & 1 x 312.500 khz
1 x 625.000 khz & 1 x 1.250000 khz
1 x 625.000 khz & 1 x 937.500 khz
1 x 625.000 khz & 2 x 312.500 khz
4 x 312.500 khz

Ich habe mich Anfangs erstmal auf die eigentliche Aufgabe des TitanSDR konzentriert. Das decodieren von diversen Signalen auf mehreren Kanälen. Weil ich nicht im Besitz von Krypto500 usw. bin, musste ich mich mit Freeware- Programmen begnügen, die in der Lage sind, über VAC (Virtual Audio Cable) zu funktionieren. So habe ich mir das famose DSC- Decodierprogramm YaDD mit vier Instanzen installiert und mit dem TitanSDR via VAC gekoppelt. Als erstes werden die Breitbandkanäle ins Panoramaspektrum gesetzt. Anschliessend werden die Schmalbandkanäle gesetzt. Das sind dann die Senderfrequenzen. Als Beispiel 8414,5khz in der Betriebsart FSK mit einer Bandbreite von 1Khz. Sind die vier Kanäle konfiguriert, kann es losgehen. Man lässt die Anwendungen dann im Hintergrund laufen, weil nicht ständig Daten gesendet werden. Nach einer gewissen Zeit haben einige Aussendungen auf den vier Frequenzen stattgefunden und man kann diese dann Auswerten. Die selbe Vorgehensweise habe ich auch beim Navtex- Decoder "Yand" und "Zorns Lemma" angewandt. Auch hier kann man Mühelos die Navtex- Kanäle auf 490Khz und 518Khz, sowie das RTTY- Signal auf 7646Khz von DWD überwachen und decodieren. Im laufe der Nacht kommen dann etliche Meldungen rein die anschliessend ausgewertet werden können. Die obigen Empfangseinstellungen können als Sitzung abgespeichert werden und bei der nächsten Empfangssitzung wieder aufgerufen werden. Es lassen sich beliebig viele "Sitzungen"abspeichern.

Frequenzbandaufnahmen können auch zeitgesteuert gemacht werden. Man programmiert den Scheduler auf die Aufnahmezeit, Frequenz, Betriebsart und Bandbreite.  Mehrere Timer können gesetzt werden.

Die Aufnahmen können dann mit dem integrierten Player abgespielt werden. Hierzu ist aber der beiliegende USB- Dongle notwendig. Nur wenn dieser eingesteckt und von der Software erkannt wurde, ist das Abspielen der Files möglich.

Für DX'er und Senderjäger kann dieses Multikanal- Verfahren durchaus interessant sein. Man hat die Möglichkeit, die Weit- und Schmalbandkanäle aufzunehmen. Diese können später analysiert und mit einer beliebigen Betriebsart und Bandbreite abgesucht werden, um seltene Stationen darin zu finden. Aber auch 40 einzelne Frequenzen innerhalb dieser 4 Weitbandkanäle lassen sich auf diese Weise überwachen.

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Der Empfang

Mit dem TitanSDR kann man natürlich auch normal Radio hören. Die Software des TitanSDR bietet nebst den gewohnten Betriebsarten auch eine ungewohnte, aber durchaus interessante Betriebsart: "eSSB"! Ausgeschieben heisst das "Erweitertes SSB".Die Betriebsart ermöglicht eine Erweiterung des Frequenzganges in der Betriebsart SSB (LSB/USB). AM Sender können in eSSB problemlos mit 6khz oder mehr Bandbreite gehört werden. Normales SSB kann man selbstverständlich auch damit hören. In eSSB verlieren die AM Sender ihr typisches Fading und klingen wesentlich sauberer.

In den ersten Betriebsstunden machte sich etwas Unerwartetes bemerkbar. Der sehr laute Lüfter des TitanSDR! Obwohl ich nur mit geschlossenem Kopfhörer arbeite, war der kleine Lüfter trotzdem zu hören. Nicht ohne Grund verbaute man dem Gerät einen Lüfter. Er wird recht warm.

Wie weiter oben angedeutet, ist die Software nicht direkt auf Suchempfang ausgelegt. Sie bietet leider (noch) nicht den Komfort eines kontinuierlichen Suchempfangs mit dem automatischen mitlaufen des Preselektors. Das bedeutet, Suchempfang ist nur innerhalb der Weitbandkanäle möglich. Gelangt man an das Ende des Weitbandes, schaltet das Weitband um die Hälfte des Weitbandkanals weiter. Es ist aber damit zu rechnen, dass der Hersteller diese Funktion mittels Softwareupdates erweitert.

Will man also in einem etwas grösseren Bereich Suchempfang betreiben, wählt man das Weitband mit 2.187500Mhz aus. Diese Bandbreite kann man nur einmal ins Panoramaspektrum setzen. Ist der Weitbandkanal gesetzt, kommt nun ein Schmalbandkanal ins Weitbandspektrum. Ist dieser gesetzt, ist sofort die Audio dieses Kanals zu hören. Ein Klick auf eine Ziffer in der Frequenzanzeige aktiviert die Abstimmung mit dem Mausrad, wobei die Ziffern gelb werden. Es stehen aber auch kleine Pfeiltasten links neben der Anzeige zur Verfügung um die Frequenz zu verstellen. Klickt und bleibt man auf dem Pfeil, verändert sich die Frequenz kontinuierlich. Standardmässig ist der Preselektor deaktiviert. Arbeitet man aber mit Hochleistungsantennen ist es ratsam den Preselektor zu aktivieren, um allfällige Ausserbandstörungen zu dämpfen. Leider läuft der Preselektor nicht automatisch mit. So muss dieser von Hand mitgeschaltet werden.

Meine Empfangsversuche bescheinigen dem TitanSDR einen exzellenten Empfang. Die Audio ist hell und verständlich. Als Vergleichsgerät habe ich den bewährten Perseus SDR hinzugezogen. Im direkten Vergleich in AM kann der TitanSDR mit besserer Verständlichkeit punkten. Bei verzerrten und schwankenden Signalen schaltet man beim Perseus um auf SAM. Diese Betriebsart hat der TitanSDR nicht. Dafür aber eSSB. Wird diese aktiviert, verbessert sich die Verständlichkeit nochmal und übertrifft den Perseus. Der grosse Vorteil hier, die Seitenbänder können umgeschaltet werden (eLSB/eUSB) um Seitenbandstörungen auszuweichen. Ist aber der Sender nicht genau auf der Frequenz, muss nachgestimmt werden. Mit AM- Synchron entfällt das nachstimmen, weil dies normalerweise automatisch geschieht. Die sehr gute Verständlichkeit kann noch optimiert werden, wenn man die AGC ausschaltet und auf manuelle Regelung (MGC) übergeht. Der Empfang auf SSB ist über jeden Zweifel erhaben und klingt auch hier deutlich klarer und verständlicher als beim Vergleichsgerät. Die Empfindlichkeit beider SDR's ist praktisch identisch.

Ein Ausrutscher leistete sich der TitanSDR dennoch. Im Weitband Modus, also mit dem standardmässig deaktivierten Preselektor, waren ab und zu UKW- Überschläge zu bemerken. Mit aktiviertem Preselektor verschwanden diese Effekte aber sofort wieder. Auch Aktivantennen die starke Pegel liefern, wie die Dressler ARA-30, brachten den TitanSDR zum Übersteuern. Mit Preselektor auch hier kein Problem. Das zeigt, wie wichtig die Vorselektion ist!

Für die Vergleiche habe ich hauptsächlich die Fenu-CrossLoop/RLA4B benutzt. Diese bringt recht starke Pegel bei sehr gutem SNR. Aber auch die Mini-Whip, die neue NTi Mega-Activ habe ich benutzt. Mit den genannten Antennen kam der TitanSDR ohne Probleme zurecht.

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Fazit:

Der TitanSDR ist Grundsolide gebaut und überzeugt von Anfang an mit sehr guter Empfangsleistung, obwohl die Software nicht primär auf Sprachsignale ausgelegt ist. Für den Empfang von Sprachaussendungen fehlen der Software wichtige Werkzeuge zur Signalverbesserung und Optimierung. Einen regelbaren Noiseblanker, Auto- Notch, manueller Notch, Rauschunterdrückung, AM- Synchron usw., wären wünschenswerte Funktionen. Bleibt zu hoffen, dass Enablia die fehlenden Funktionen noch nachliefert.

Einen Sympathiebonus erhält Enablia für das mitliefern eines Trafonetzteiles! Das ist in der heutigen Zeit aussergewöhnlich und sehr willkommen.

Verfasst am 05.04.2015

 

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Hagenuk RX 1001 M

Der Hagenuk RX 1001 M ist ein Empfänger, der für's Militär und für den zivilen Seefunk gebaut wurde. Er wurde auf Hochseeschiffen und in Küstenfunkstellen eingesetzt. Wie viele andere Profi- Empfänger ist auch der RX 1001 M sehr stabil gebaut. Im Vergleich mit Hobbygeräten wirkt er wie ein Panzer, von der Bauweise, Gewicht wie auch von der Grösse her. Das Gerät alleine wiegt fast 17 kg. Mit dem Tischgehäuse bringt er es auf knapp 30 kg! Das ist auch gerechtfertigt, denn so ein Gerät sollte im täglichen professionellen Einsatz mehrere Jahre halten. Nun, mein RX 1001 M war ein so genanntes „Depotgerät“, also ein Ersatzempfänger. Er war nie im Einsatz. Er ist eigentlich als neu anzusehen, obwohl er 1992 gebaut wurde.

Der Hagenuk RX 1001 M hat einen durchgehenden Frequenzbereich von 10Khz – 30Mhz in den Betriebsarten AM, USB, LSB, CW, RTTY. Abstimmschritte sind 10Hz und 100Hz. Er besitzt 99 Speicherkanäle die mit diversen Suchlaufmöglichkeiten durchgescannt werden können. Jeder Kanal kann individuell programmiert werden, z.b. mit „Scan by Time“. Das bedeutet, jedem Speicherplatz kann eine unterschiedliche Verweildauer zu einer bestimmten Uhrzeit programmiert werden. Für unbemannte Frequenzbeobachtungen ist dies eine tolle Sache. Er hat ein sehr gutes Grosssignalverhalten von IP3+ 26dbm, allerdings erst ab 1 Mhz. Der Hagenuk ist einfach zu bedienen. Er ist zwar nicht wie andere Empfänger, die für eine Funktion eine Taste haben. Nein, bei ihm muss man einen Code über die Tastatur eingeben, wenn man z.b. die Betriebsart wechseln will. Will man auf „AM“ schalten, so drückt man die Nummer „11“. Will man „LSB“, drückt man „13“. Diese sind sehr gut auf der Front des RX 1001 M ersichtlich. Die aktive Funktion wird mit einer LED signalisiert. Ein Sahnestück ist der massive Abstimmknopf, gefertigt aus Alu- Druckguss. Dieser treibt einen magnetisch gerasterten Encoder an. Einfach schön zum daran drehen. Das gilt auch für den BFO- Knopf. Er hat noch einen eingebauten Lautsprecher der gar nicht mal schlecht klingt. Dieser ist durch einen Schalter an der Front abschaltbar. Alle anderen Funktionen und Schalter auf der Front sind selbsterklärend.

Bleibt noch der Empfang!

Zu Anfang schon mal seine Stärken: Sehr guter SSB- Empfang, sehr gutes Grosssignalverhalten und sehr guter Klang.

Ab ca.500Khz kann man den RX 1001 M ernsthaft gebrauchen. Darunter sind in den Abendstunden etliche Grosssignalstörungen auszumachen. Wie es aussieht, besitzt er kein Tiefpassfilter für unter 1Mhz. Nur wenn der optionale Preselektor eingebaut ist, ist der Tiefpassfilter drin. Dieser ist aber sehr schwer aufzutreiben!

Wie schon erwähnt, ist SSB seine Stärke. Der Empfang ist ziemlich rauschfrei und sehr verständlich. Für DX in der Betriebsart SSB ein absolutes Topgerät. Mit einem guten Audiofilter, wie z.b. dem Dierking ED 88 NF kann man störende Pfeiftöne ausblenden, denn er hat keinen Notch und auch keinen Bandpasstuning. In AM klingt er auch sehr gut, doch hat er ein leichtes helles Rauschen, das bei schwachen Stationen etwas stört. Aber da bietet sich entweder der Empfang in SSB an oder man nimmt den Audiofilter zur Abhilfe.

Unterm Strich: ein Topempfänger, vor allem für die Betriebsart SSB.

Warum ein Profigerät??

Es ist nicht nur die Empfangsleistung die ein solches Gerät interessant macht.

Ein Drake R8B, das ich auch noch habe, oder z.B. ein JRC NRD-525G, sind Empfangsmässig auf keinen Fall schlechter als ein Profi-Gerät. Ja, in gewissen Situationen ist ein Profi sogar unterlegen!

Es ist mehr die Faszination ein Profigerät auf dem Tisch zu haben. Nur schon die Grösse und das Gewicht sind schon verrückt! Die Originalverpackung hat es auch in sich, diese ist so stabil, das sie als Erdbebensicher durchgehen könnte. Die Bedienungsanleitung mit allen Schemas und Servicemanuals usw. ergeben einen 10 cm dicken Ordner. Dazu hat es nochmals einen Ordner mit der Ersatzteilliste. Selbstverständlich ist ein Prüfprotokoll von der Endkontrolle auch dabei.

Es macht einfach Spass mit so einem Gerät in die kurzen Wellen zu lauschen.

Wer sich ein solches Gerät zulegen will, muss sich bewusst sein, das diese nicht mehr die jüngsten sind! Anders gesagt, die Anfälligkeit auf Defekte ist nicht zu unterschätzen! Absolut wichtig ist, wo man den Empfänger kauft!! Oft wird einem das blaue von Himmel versprochen. Nicht selten erhält man dann ein defektes Gerät. Diese dann reparieren zu lassen, kann zu einem finanziellen Abenteuer werden.
Guter Tipp: Nur von vertrauenswürdigen Quellen kaufen und wenn möglich das Gerät vorher testen!!

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Lowe HF-235

Der Lowe HF-235 ist bei weitem nicht so bekannt wie der HF-225 oder der HF-150. Zudem ist er sehr selten anzutreffen. Es handelt sich um einen Profiempfänger. Allerdings sind die elektronischen Innereien fast Identisch mit denen des HF-225. Die Filterbestückung von 2.2, 4, 7, und 10Khz, entsprechen dem HF-225. In dieser 19" Version, sind eine eingebaute Tastatur, ein Lautsprecher, eine RS232- Platine(Option) und die Stromversorgung mit eingebaut. Als zusätzliche Option gab es die Synchrondetektor- Platine (eingebaut) und eine TXCO- Platine (Hochstabiler Hauptquarz). Alle Funktionen entsprechen dem HF-225. Ausser, das der HF-235 eine regelbare IF-Gain und eine abschaltbare AGC hat. Dies anstelle des Tonreglers.

Wie hört sich der HF-235 an:
Eines seih zu Anfang schon gesagt: Toller, sehr rauscharmer Empfänger. Der HF-235 ist im Vergleich zu einem Perseus SDR ein ziemlich alter Kasten. Aber Empfangsmässig ist er dem Perseus überlegen, was die Audio und das Rauschverhalten angeht. Der HF-235 hat so ein angenehmes feines Rauschen, da kann man Stundenlang mit dem Kopfhörer den Sendern lauschen, ohne das es ermüdet. Verglichen habe ich ihn natürlich auch mit dem AOR AR7030. Die Empfindlichkeit ist sehr gut. Er kann ohne Probleme mit dem Perseus und dem AR7030 mithalten. Über weite Strecken sind der HF-235 und der AR7030 ebenbürtig. Aber auch hier klingt der HF-235 angenehmer. Vom HF-225 sagt man, er vertrage sich nicht gut mit Aktivantennen. Der HF-235, verträgt die ALA1530S+ weitgehend. Nachtsüber waren im 60m- Band einzelne Interferenzen zu bemerken. Schaltet man aber auf den 20m Langdraht, verschwinden die Störungen. Ein Zeichen dafür, dass der HF-235 doch lieber am passiven Draht hängt. Der Synchrondetektor ist nicht mit dem des AR7030 zu vergleichen. Der Synch- Detektor des AR7030 ist ungleich besser. In gewissen Situationen vermag er aber doch noch den Empfang zu verbessern.
Wir SWL's hätten gerne das PBT (Pass Band Tuning) und auch das Notchfilter. Das besitzt der HF-235 nicht. Hier ist wieder die typische Lowe- Philosophie zu bemerken: Guter Empfang, wenig Bedienelemente. Auch wenn die Bandbreitenfilter nicht von hoher Güte sind, macht es doch sehr viel Spass, mit den HF-235 die kurzen Wellen abzuhören. Wie gesagt; Eine Audio, die den Ohren schmeichelt!

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RACAL RA1792

Der Racal RA1792 ist ein professioneller Kurzwellenempfänger der beim Militär und beim Seefunkdienst eingesetzt wurde. Er wurde in den achtziger Jahren gebaut. Mein RA1792 war bei der damaligen Küstenfunkstation Scheveningen Radio im Einsatz. Zum Glück war er dort nicht im täglichen Gebrauch. Er wurde als Referenzempfänger vom Radiotechniker genutzt und war dementsprechend nur wenig im Einsatz. Dennoch mussten ein paar Kleinigkeiten im Laufe der Zeit ersetzt werden, wie z. B. die Displays. Das ist eine grosse Schwachstelle der RA1792. Diese laufen mit der Zeit aus. Der RA1792 beherrscht die üblichen Betriebsarten wie AM, USB, LSB, CW und FM. Die Bandbreitenfilter für AM sind Kristallfilter mit den Breiten 16khz, 6khz, 3.2khz, 1khz und 0.3khz. Für USB ist ein Collinsfilter mit 2.7khz und für LSB ist ein 2.7khz Kristallfilter eingebaut. Leider, wie bei vielen anderen Profi- Geräten, hat der RA1792 keine Werkzeuge zur Störbefreiung an Bord. Ausser, in SSB kann ein Bandpasstuning aktiviert werden. Dafür ist die Trennschärfe der Kristallfilter und Collinsfilter allererste Sahne! Die Trennschärfe ist so gut wie bei den DSP- basierten Geräten. Sogar das 6khz Filter für AM ist ein Traum! Er hat 100 Speicherplätze die die Betriebsart & AGC mitspeichern. Man werden sich fragen, warum muss man sich einen solchen Klotz, er wiegt um die 14kg, auf den Tisch stellen kann? Ganz einfach. Als erstes wäre da die Wiedergabequalität. Die ist ganz einfach hervorragend! Ob in AM oder SSB. Kein anderer Empfänger den ich zu diesem Zeitpunkt im Shack hatte, konnte dem Racal RA1792 das Wasser reichen in Punkto Audioqualität und Empfindlichkeit. Schwächste Signale waren mit ihm am besten zu verstehen. Klar, irgendwo ist die Grenze erreicht, weil die anderen Geräte Bandpasstuning, Notch, Noiseblanker usw. bieten und dann schon einen gewissen Vorteil haben. Sind aber keine Störer da die das Signal beeinträchtigen, ist der alte Racal aller meistens überlegen. Dass das Grosssignalverhalten sehr gut ist, versteht sich von selbst. An meinen Antennen(Fenu-Loop/HDLA3 & 35m Langdraht, beides 8m über Boden)konnte ich keine Übersteuerungen feststellen .
 
Fazit:
Ein Superempfänger! Einfach zu bedienen und Empfangsqualität auf sehr hohem Niveau. Etwas für Puristen.
Wer sich ein solches Gerät zulegen will, muss sich bewusst sein, das diese nicht mehr die jüngsten sind! Anders gesagt, die Anfälligkeit auf Defekte ist nicht zu unterschätzen! Absolut wichtig ist, wo man den Empfänger kauft!! Oft wird einem das blaue von Himmel versprochen. Nicht selten erhält man dann ein defektes Gerät. Diese dann reparieren zu lassen, kann zu einem finanziellen Abenteuer werden.
Guter Tipp: Nur von vertrauenswürdigen Quellen kaufen und wenn möglich das Gerät vorher testen!!

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RACAL RA3712

Ein sehr selten anzutreffender Profi- Empfänger ist der Racal RA3712. Dieser wurde häufig von der englischen Marine eingesetzt. Kam aber sicher auch in verschiedenen anderen Bereichen zu Einsatz. Leider sind zum Einsatzgebiet des RA3712 keine konkreten Informationen vorhanden. Der RA3712 ist ein Doppelempfänger. Das bedeutet, es sind zwei unabhängig voneinander arbeitende Empfänger in Modularbauweise eingebaut. Diese lassen sich durch eine Tastenkombination hin und her schalten.

Hier die wichtigsten Eckdaten:
Frequenzbereich RX1: 500khz - 30Mhz
Frequenzbereich RX2: 10khz - 40Mhz
100 Speicher mit Scanfunktionen
Abstimmschrittweiten:
Langsam > 1Hz
Mittel > 50Hz
Schnell > 1Khz
Variabel >  1Hz > Je nach Drehgeschwindigkeit des Abstimmknopfes mit Schwungradeffekt.
Passbandtuning
Betriebsarten: AM, USB, LSB, CW, FM, FSK & ISB (Option)
Bandbreitenfilter:  0.3 - 1.8 - 2.7 - 12khz (Roofingfilter) LSB nur 2.7Khz
AGC: Langsam, Mittel, Schnell & Manuell. Zusätzlich kann die Verstärkungsregelung Auto/Manuell kombiniert werden. Es ist noch eine spezielle AGC- Einstellung für das militärische Übertragungsverfahren "Link11" vorhanden.
Diverse BITE Funktionen (Selbsttest)
Modulare Bauweise
Sehr gutes Grosssignalverhalten

Wie viele andere Profi- RX wurden die RA3712 Kundenspezifisch ausgerüstet. Das bedeutet, das nur in den allerwenigsten Fällen ein solcher Empfänger mit den passenden Filterbandbreiten ausgerüstet ist, die ein SWL in der Regel braucht. Das AM Filter des hier vorgestellten Gerätes ist 12Khz breit. Für vernünftigen AM Empfang viel zu breit. So bleibt also nur das 2.7khz und das 1.8khz Filter. AM Stationen können also nur in SSB vernünftig gehört werden.

Ich habe den RA3712 mit dem legendären AEG/Telefunken E1800/3 verglichen. Der RA3712 hat die etwas besser geeigneten SSB Filter für unsere Bedürfnisse verbaut als der E1800/3. Das hat aber nur mit der Breite der Filter zu tun, nicht mit der Trennschärfe. Denn der E1800/3 hat mechanische Filter die unglaublich Trennscharf sind! Der RA3712 hat Quarzfilter verbaut, die eine ähnliche Trennschärfe besitzen. Beide Geräte lassen sich fast nicht auseinanderhalten. Die Audiowiedergabe des RA3712 ist sehr ähnlich mit der Tendenz zu höhenbetonter Wiedergabe. Was den RA3712 zugute kommt, ist sein Passbandtuning! Mit diesem lassen sich die Signale etwas "nachbearbeiten", was beim E1800/3 nicht möglich ist. Leider ist dieses Passbandtuning kompliziert zu bedienen. Es muss zuerst ins Menü gegangen werden, das abzustimmende Filter ausgewählt werden, erst dann kann man das PBT nutzen. Obwohl der RA3712 eine flexible AGC besitzt, lässt er sich am besten in der manuellen Verstärkungsregelung betreiben. So kann man das Rauschen elegant umgehen. Empfangsmässig spielt der RA3712 in der obersten Liga mit. Wenn die HF- Umgebung frei von Störungen jeglicher Art ist, kann man mit dem RA3712 wunderbar Kurzwelle hören. Wie der E1800/3, ist der Racal RA3712 ein Spitzenempfänger.

Auch beim RA3712 gilt: Vorsicht beim Kauf! Diese Geräte waren teils jahrelang im Dauereinsatz und können plötzlich Probleme machen. Eine Reparatur kann kostspielig werden. Zudem sind solche Geräte nicht für den SWL geeignet.

Verfasst am 30.04.2014

 

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Der Racal RA3712 in Betrieb (HD Video)

 

 

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Reuter RDR54

Lange habe ich überlegt, ob ich mir den Reuter RDR54 zulegen sollte. Denn, der RDR54 ist in der SWL- Szene nicht geläufig. Niemand konnte aufschlussreiche Vergleiche mit anderen Empfängern bieten. Im Internet waren auch nur mehrheitlich technische Beschreibungen zu finden statt „Testberichte“. So fällt es einem schwer, ein solch teures Gerät zu erwerben. Aber als mir ein RDR54 angeboten wurde, konnte ich als Radiofreak nicht widerstehen. Nun, jetzt steht er da und ist bereit für ein paar Empfangsvergleiche.
Was ist der RDR54 für ein Gerät??
Der RDR54 ist Europäer! Genau genommen wird er in Deutschland bei Reuter Elektronik hergestellt. Ein Hersteller, der in der Empfängerszene gänzlich unbekannt war. Ursprünglich wurde der RDR54 als Messempfänger konzipiert und war für SWL- Bedürfnisse sehr aufwendig zu bedienen. Burkhard Reuter, der Konstrukteur und Namensgeber des RDR54, schrieb aus diesem Grund eine neue Bediensoftware, die dem SWL ein leichteres Umgehen mit dem Gerät ermöglichte. Der RDR54 ist ein Empfänger neuester Generation. Er ist ein “SDR“, ein Software Defined Radio der ohne PC auskommt. Er ist somit PC unabhängig für den regulären Betrieb. Nur zur Firmwareaktualisierung muss er Verbindung zum PC aufnehmen. Er kann aber nicht ganz mit den herkömmlichen SDR's verglichen werden, weil der RDR54 nach dem neu entwickelten "Frequenzdiskreten Prinzip" arbeitet. Die herkömmlichen SDR's arbeiten nach dem "Zeitdiskreten Prinzip". Dies gemäss Anfrage beim Hersteller.
Das Geräteäussere sieht aus wie ein Messgerät aus der Industrie. Er wirkt Kühl und Elegant zugleich. Die Verarbeitung des Gehäuses ist allererste Sahne! Das Gerät ist komplett aus Aluminium. Das einzige dass billig wirkt, ist der Hauptabstimmknopf. Dieser wird dem RDR54 nicht gerecht… Aber für Abhilfe wurde bereits gesorgt! In Verbindung mit einem magnetisch gerasterten Drehgeber, ist seit kurzem ein VFO- Knopf aus Edelstahl verfügbar. Im Mittelpunkt, ist auch nicht zu übersehen, ist das schöne und grosse Display. Die Auflösung ist sehr gut und gibt Auskunft über die wichtigsten Funktionen. Alles ist gut lesbar, auch die sehr kleinen Schriften. Es kann wahlweise ein Wasserfall, Kurvenspektrum oder Linienspektrum angezeigt werden. Die Sichtbreite beträgt knapp 164khz. Ein reinzoomen ins Spektrum ist auch möglich.
Links neben dem Display ist die Audioabteilung untergebracht. Dort findet man einen etwas wackeligen Lautstärkeknopf mit erweiterter Funktion. In der Normalstellung regelt man die Lautstärke des Lautsprechers. Drückt man den Knopf und hält ihn gedrückt, wird die Kopfhörerlautstärke verstellt. Der eingebaute Lautsprecher ist nicht sehr gross, bietet aber eine ausreichende Klangqualität für Kurzwelle. Allerdings fehlt etwas Bassfülle.
Über den Umfang der Funktionen des RDR54 verweise ich auf die Webseite des Herstellers Reuter Elektronik. Das würde sonst den Rahmen sprengen.
Wie empfängt der RDR54?
Das Gerät arbeitet zu 100% digital. Er bringt eine fast rauschfreie, saubere Wiedergabe. Das Bandrauschen ist angenehm und ermöglicht langen Kopfhörerbetrieb. Dafür hat er ein bisschen „Dosenklang“ bei manchen Signalen. Das ist aber eine grundlegende Eigenschaft des Arbeitsprinzips des RDR54. Dies gemäss Nachfrage bei Herrn Reuter. Nach kurzer Eingewöhnungszeit fällt dies aber nicht mehr auf, denn die Wiedergabe ist sehr präzise.
Es ist also recht angenehm mit dem Kopfhörer auf Wellenjagd zu gehen. Was die Freude etwas trübt, ist zum einen der sehr laut rastende Drehgeber und die Betriebsart „Auto“. Diese Betriebsart ist eine Art AM- Synchron. Wenn man durch die Bänder lautrastend kurbelt, ist die Wiedergabe nicht wie gewohnt wie von einem analogen RX. Diese Auto- Betriebsart versucht bei jedem Signal im Bandbreiten- Durchlass sofort zu synchronisieren, was dann eine sehr ungewohnte Audio ergibt. Aber Herr Reuter hat das sofort auf seine Pendenzenliste gesetzt, und sollte bei der nächsten Softwareversion korrigiert werden. Die Empfindlichkeit liegt etwas über dem des Perseus. Bei ganz schwachen Signalen ist der Perseus aber etwas verständlicher. Das ist aber alles Softwarebedingt. Der RDR54 gibt es seit 2009 und ist Softwareseitig noch nicht ganz ausgereift. Das hatte beim Perseus SDR auch seine Zeit gebraucht.
Das Grosssignalverhalten ist schon fast Hitverdächtig: über 44dBm. Da können schon mal etwas längere Antennen drangehängt werden. Grosssignalstörungen wurden dementsprechend keine festgestellt.
Der RDR54 kann schon jetzt durch sein Konzept (SDR ohne PC) und durch seine sehr guten Empfangseigenschaften überzeugen. Wenn der Hersteller die Software weiter optimiert, wird der RDR54 bald in der High-End Liga mitspielen können.
*** Mittlerweile wurde die Software auf die Version V302 aktualisiert. Die Bedienung wurde vereinfacht, neue Betriebsarten kamen hinzu und die Empfangsleistung wurde ziemlich verbessert. Details sind der neuen Bedienungsanleitung des RDR54 zu entnehmen.
 
Top- Gerät mit etwas Gewöhnungsbedürftiger Bedienung.

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Der RDR54 in Action (HD Video)

 

Weil der mechanische Drehgeber eine ziemlich laute Angelegenheit war, habe ich in den RDR54 einen magnetisch gerasterten Drehgeber mit dem dazugehörigen Edelstahl-Abstimmknopf einbauen lassen. Jetzt ist das "durch's Band kurbeln" eine angenehme Sache! Kein rattern mehr! Der schwere Edelstahlknopf hat einen schönen, nicht all zu starken Schwungradeffekt. Gleichzeitig wurde auch ein passender Lautstärkeknopf kostenlos montiert. Reuter Elektronik hat das innert Tagesfrist erledigt. Ein wirklich guter Service!
 

UKW Modul

Der RDR54 ist ein Modular aufgebautes Gerät. Somit lassen sich neue Module, wie hier das UKW-Modul, leicht einbauen. Durch die 100%ige Digitalisierung lassen sich per Software neue Funktionen integrieren, die den Funktionsumfang des Gerätes erweitern. Herr Reuter war so freundlich, mir ein UKW- Modul Leihweise für ein paar Wochen für Testzwecke zu überlassen. Dieses UKW- Modul bietet das UKW- Band (87.5 - 108Mhz) wahlweise in Mono oder Stereo. Zusätzlich ist das 2m Amateurfunkband (144 - 148Mhz) empfangbar.
Für UKW sind vier Bandbreitenfilter verfügbar.
50khz S & HQ
80khz S & HQ
120khz S & HQ
240khz S & HQ

S = Steil (Scharf)
HQ = High Quality (HiFi)
Für weiterführende Informationen verweise ich auf die Webseite von Reuter Elektronik.
Wie hört sich dieses UKW- Modul nun an?
Schlichtweg Klasse!
Ich habe den RDR54 an eine UKW Dachantenne und am Kabelanschluss des Hauses probiert, also Radio aus der Dose. Letzteres bringt zum Teil recht starke Signale. Ein übersteuern konnte ich aber nicht feststellen. Auch an der Dachantenne (leider nicht Drehbar), verhielt sich der RDR54 tadellos. Die digitalen Filter sind extrem scharf, und können benachbarte Sender gut trennen. Ist der Sender ungestört, schaltet man um auf 240khz- HQ, und geniesst UKW in fast HiFi Qualität. Was schmerzlich fehlt, ist der heutzutage übliche RDS- Decoder. Gemäss Angabe von Herr Reuter, soll dies in der nächsten Hardwareversion realisiert werden.
Das 2m- Band konnte mangels geeigneter Antenne und sehr wenigen schwachen Signalen nicht aussagekräftig getestet werden.
Fazit:
Im grossen und ganzen ist das UKW- Modul sehr empfehlenswert, was die Empfangsleistung angeht. Der Preis allerdings rüttelt einen wieder wach! Es müssen 350 Euro über den Tisch geschoben werden.
 

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Reuter RDR55D

Die Firma Reuter Elektronik, ist in der KW-Hörer Szene und darüber hinaus ein Begriff und bekannt für ihre hochwertigen Produkte. Allem voran die Empfänger der RDR-Serie setzen Massstäbe in Punkto Verarbeitungsqualität und Empfangsleistung. Die Empfangstechnik ist digital wie bei anderen SDR's, geht aber einen etwas anderen Weg in der Signalverarbeitung. Herkömmliche SDR's, wie z.B. der Perseus SDR oder ELAD FDM-S2, arbeiten Zeitbasiert. Die RDR-Geräte hingegen nutzen die Frequenzbasierte Signalverarbeitung. Die Beschreibung der Frequenzbasierten Signalverarbeitung ist im Vortrag von Dipl.-Ing. Ralph Menn ab Punkt 2.1 zu finden.

Zeit- und Frequenzbasis des Signals
 
Modularbauweise des RDR55D

Nun haben wir den neusten Empfänger RDR55D mit der Softwareversion V500 vor uns. Dieser hat eine kleine Vorgeschichte. Die Verschmelzung vom RDR54, der Messgerätequalitäten besitzt, mit dem kleinen Bruder RDR50, der ein grosses, bedienerfreundliches Touchscreen hat, war ursprünglich ein Kundenwunsch. Hier zeigt sich, wie  Reuter Elektronik auf Kundenwünsche und Anregungen eingeht.

Der RDR55D ist, wie der RDR54, Modular aufgebaut. Er lässt sich durch das rückwärtige Einsetzen von diversen Modulen erweitern. Auch zum vollwertigen QRP-Amateurfunkgerät lässt er sich aufrüsten. Die Gehäusekonstruktion ist wie von Reuter gewohnt, Kompromisslos hochwertig. Gefrästes und eloxiertes Aluminiumgehäuse, Abstimmknopf aus Edelstahl. Nur der Touchscreen ist Zwangsläufig aus Kunststoff. Jeder RDR55D kann individuell mit diversen Modulen aufgerüstet werden  und kann so nach eigenen Anforderungen angepasst werden.

Dieser hier stehende RDR55D hat folgende Module eingebaut:

RAD18EF (Preselektor, Vorverstärker, Abschwächer, 4x 16bit ADC & UKW-Modul)
RDA31B (High-End Stereo Audio-DAC mit High-Power Kopfhörerverstärker)
RDR35B (GPS & WLAN Modul)
RPS25G (Hochwertiger Trafonetzteil)
 
Hier die wichtigsten Eckdaten:
Frequenzbereich mit Modul RAD18EF:
-- 1KHz - 30MHz (separater Antenneneingang ANT 1)
-- 50MHz - 71MHz (separater Antenneneingang ANT 2)
-- 87,5MHz - 108MHz (separater Antenneneingang ANT 3)
-- 136MHz - 154MHz (separater Antenneneingang ANT 4)
Bandbreitenfilter: 10Hz - 20KHz in 40Hz Schritten frei einstellbar
Betriebsarten Frequenzbasiert: Sync - DSB - LSB - USB - EUSB - SBCW - CW
Betriebsarten Zeitbasiert: AME - FMN - FMW - USBQ - LSBQ - DIGI - DSBQ
Abstimmschrittweiten: Beliebig einstellbar von 0.5Hz - 999.999.5KHz
199 Speicher
Passbandtuning
Notchfilter
Noiseblanker
AGC: Anstieg- und Haltezeit einstellbar
Echtzeitspektrum und Wasserfall
GPS Modul für die Frequenzkalibrierung
WLAN Anbindung für kabelloses Firmwareupdate & Screenshotfunktionen
Eingebaute Vorselektion (Preselektor)
Sehr gutes Grosssignalverhalten
Modulare Bauweise
7“ (178 mm) WVGA-Farbdisplay & Touchscreen
Aufrüstung zum Funkgerät mittels Modul möglich.
 
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Gerätebedienung

Nebst dem Ein/Aus Schalter, ist der Abstimmknopf aus Edelstahl das einzige mechanische Bauteil, das für die Bedienung genutzt wird. Mit diesem werden praktisch alle Werte am Empfänger eingestellt. Die Vorwahl der zu regelnden Funktionen wird über das Touchscreen vorgenommen. Will man z.B. das Bandbreitenfilter einstellen, tippt man mit dem Finger auf die Bandbreitenanzeige um sie zu aktivieren. Anschliessend wird die gewünschte Bandbreite mit dem Abstimmknopf eingestellt. Danach tippt man auf die nächste Funktion die eingestellt werden soll, oder der Vorgang  kann so eingestellt werden, dass die aktive Funktion automatisch auf die Frequenzanzeige zurückspringt. Die Verweildauer auf der aktiven Funktion kann ebenfalls eingestellt werden. Abgesehen von den Hintergrundeinstellungen im Menu, lassen sich alle Funktionen auf dieselbe Weise bedienen.

Der Blickfang ist das Spektrum, das in Echtzeit dargestellt wird. Das bedeutet, das was man sieht, hört man ohne Zeitverzögerung! Das Spektrum hat eine max. Sichtbreite von 164KHz und kann auf 1.6KHz reingezoomt werden. Auch eine Wasserfalldarstellung ist möglich. Grundsätzlich ist die Bedienung Kinderleicht zu bewerkstelligen. Was etwas Gewöhnung braucht, sind die zum Teil sehr kleinen Antippflächen. Hier haben kleine Finger ganz klar einen Vorteil. Man kann sich aber auch mit einem Plastikstift für PDA's behelfen.

Für die Frequenzkalibrierung steht ein GPS-Empfänger zur Verfügung, eingebaut im Modul RDR35B. Schliesst man eine Handelsübliche GPS-Antenne an, werden nach wenigen Minuten einige Satelliten empfangen. Mit deren Signalen wird der interne Oszillator bis auf 1Hz genau kalibriert. Ruft man die GPS-Anzeige auf, werden folgende Daten angezeigt:

-- Anzahl empfangbarer Satelliten
-- Satelliten Identifikation
-- Signal/Rauschabstand des angezeigten Satellitensignals
-- Korrektur des internen Oszillators
-- Längen und Breitengrad des aktuellen Standortes
-- Höhe über Meer
-- Aktuelle Uhrzeit (UTC)
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Über die WLAN Anbindung, ebenfalls im Modul RDR35B eingebaut, ist eine Kabellose Verbindung zum PC möglich. Diese Anbindung wird momentan für Firmwareupdates und zur Screenshot Übermittlung an den PC verwendet. In absehbarer Zeit wird es möglich sein, den RDR55D über diese Schnittstelle auch per geeigneter Software steuern zu können. Der grosse Vorteil von der WLAN Anbindung ist, man hat keine physische Kabelverbindung mehr zum PC. Bekanntlich kann der PC starke Störungen in den LMK-Frequenzen verursachen, wenn dieser per Kabel mit dem Empfänger verbunden wird. Selbstverständlich hat das Modul RDR35B auch eine normale USB2.0  Schnittstelle. Eine S/PDIF Schnittstelle für die Nutzung digitaler Audiosignale ist ebenfalls vorhanden.

Im Modul RDA31B ist ein High-End 24bit DAC-Kopfhörerverstärker eingebaut. Auch ist die Signalausgabe über Chinch an eine Stereoanlage möglich. Dieses Modul verarbeitet nur die Zeitbasierten Modes AM-E, FM, FM-W, DSB/SSB-Q und DIGI. Vor allem die Wiedergabe von UKW-Signalen über dieses Modul ist von herausragender Qualität.

Im Modul RAD18EF passieren die von der Antenne kommenden Signale die Vorselektion (Preselektor), bevor sie auf die  4x 16bit ADC's treffen. Hier werden die gefilterten analogen Signale digitalisiert und zur Demodulation weitergereicht. Bei diesem Modul müssen lediglich die Antennen am jeweils richtigen Eingang angeschlossen werden.

Der Empfang

Meine ersten Empfangserfahrungen mit der Frequenzbasierten Arbeitsweise habe ich im Jahr 2011 mit einem RDR54 machen können. Später kam noch der RDR50 dazu. Mit der Weiterentwicklung der ADC's (Analog Digital Konverter) und FPGA's (Field Programmable Gate Array), sind seither grosse Verbesserungen in der Empfangsleistung erzielt worden. Die früheren, ohnehin schon Rauscharmen RDR-Modelle, sind weiter verbessert worden. Der hier stehende RD55D ist bisher der Rauschärmste Empfänger den ich je testen durfte. Arbeitet man eine Zeit lang mit diesem Gerät und wechselt dann zu einem herkömmlichen Empfänger, wird man erstaunt sein, wie extrem stark die herkömmlichen Geräte rauschen.

Nun, ich habe den RDR55D über mehrere Wochen mit dem Icom IC-R9500 verglichen. Als Antennen verwendete ich die Fenu-CrossLoop/RLA4B und die NTi ML200 mit 8m Umfang.

Die Empfindlichkeit des RDR55D ist von der tiefsten bis zur höchsten Frequenz linear. Signale auf VLF, LW und MW waren mit ihm am besten und am angenehmsten zu hören. AM Signale werden am besten in der Betriebsart "Synch" empfangen. Das Signal wird automatisch vom Rauschen und Fading befreit. Auch gewisse lokale Störungen wie z.B. ein PLC-Störer aus der Nachbarschaft, wurde teilweise rausgefiltert. Auf der Kurzwelle waren die Unterschiede dann geringer. Der IC-R9500 vermochte das eine oder andere Signal besser zu bringen. Das war natürlich seiner Vollausstattung zu verdanken. Die Störbefreiung funktioniert beim IC-R9500 besser. Die Rauschunterdrückung und der Noiseblanker des RDR55D vermochten nicht zu überzeugen. Wenn es mal eng  wurde mit der Verständlichkeit, hielt der RDR55D die Raumklangfunktion bereit, die auch bei schwachen Sendern sehr gut funktionierte und das Signal besser zu Gehör brachte. Der Empfang in SSB klappte wie erwartet auch sehr gut. Durch die trennscharfen Filter konnte der RDR55D den IC-R9500 in sehr engen Situationen auf den Amateurbändern in die Schranken verweisen. Der extreme Trennschärfe wird man sich erst bewusst, wenn man langsam die Bandbreite einengt. 40Hz Einengung sind schon zu hören!

Durch die Frequenzbasierte Arbeitsweise des RDR55D, bekommt die Audiowiedergabe einen etwas blechernen Klang. Wenn man eine Zeit lang mit dem Gerät arbeitet, fällt das dann nicht mehr so auf. Was aber oft auffällt, ist die mangelnde Verständlichkeit bei sehr schwachen Signalen. Hier war der IC-R9500 meistens besser, rauschte aber dafür mehr.

Betreibt man den RDR55D in einer störungsfreien Gegend, kann man beim AM-Empfang auf die Zeitbasierte Betriebsart "AM-E" zurückgreifen. Diese Betriebsart simuliert einen Hüllkurvendemodulator. Die Audio klingt so, als ob sie von einem Röhrenradio kommen würde. Sie klingt warm und füllig. Bedauerlicherweise stehen dieser Betriebsart nur wenige feste Bandbreiten zur Verfügung. Alle anderen Funktionen, wie Bandpasstuning, Notchfilter usw., stehen in dieser Betriebsart nicht zur Verfügung, was sehr Schade ist! Hier wird Potenzial verschenkt. Alle Zeitbasierten Betriebsarten leiden unter diesem Funktionsverlust.

Ein besonderer Leckerbissen, ist der Empfang im UKW-Band. Hier arbeitet der RDR55D Zeitbasiert, also nach herkömmlicher Methode. Durch die hochwertigen und selektierten Bauteile dieses Moduls, wird der Empfang zu einem High-End Erlebnis. Selbstverständlich ist der Empfang in Stereo und auch in Mono möglich. Um das Erlebnis noch zu steigern, ist die Stereobreite einstellbar. So bekommt die Audio noch mehr Räumlichkeit. RDS gehört ebenfalls zur Ausstattung des UKW-Empfängers.

UKW DX'er kommen auch auf Ihre Kosten. Das UKW Modul ist auf höchste Empfindlichkeit ausgelegt und somit für DX geradezu prädestiniert.  Für heikle Situationen, hält der RDR55D einen speziellen Abschwächer bereit, der in 1dB-Schritten das Signal bis zu 48dB abschwächen kann.

Folgende Bandbreiten sind zurzeit für UKW verfügbar:
-- 38KHz S
-- 50KHz S
-- 60KHz HQ
-- 80KHz S
-- 80KHz HQ
-- 120KHz S
-- 120KHz HQ
-- 300KHz HQ
"S" steht für Scharf > Steilflankige Filterkarakteristik
"HQ" steht für High Quality > Runde, weniger steile Filterflanken. Klingt angenehmer, mehr Klangfülle.

Vorneweg; Der UKW-Empfänger im RDR55D, schlägt in Sachen Klang, Trennschärfe, Empfindlichkeit und Funktionalität,  den IC-R9500 um Längen.

Das Grossignalverhalten des UKW-Empfängers gab zu keiner Zeit Anlass zur Kritik. Auch der Empfang über's Kabelnetz, klappte ohne Probleme. Hier kommt der RDR55D so richtig in Fahrt und kann seine UKW-Qualitäten ausspielen. Die Audio klang mit dem 300KHz HQ-Filter einfach super. Das Rauschen, das bei so breiten Filtern oft vorkommt, war beim Empfang über Kabelnetz kaum zu hören. Allerdings mussten die Signale um -20dB abgeschwächt werden, weil die ADC's übersteuerten. Eigentlich kein Beinbruch bei so hoher Empfindlichkeit!

Fazit:

Die Beurteilung des RDR55D war keine schwere Angelegenheit. Die kann nur heissen: Absolute Spitzenklasse! Angefangen bei der Verarbeitung und der Materialwahl des Gehäuses, bis hin zu den Empfangsleistungen auf LMK und UKW, leistete sich der RDR55D keine groben Fehler. Zwei Sachen fand ich nicht so gut. Die mangelnde Verständlichkeit bei der Frequenzbasierten Arbeitsweise bei schwachen Signalen auf KW und die nicht befriedigende Funktion des Noiseblanker und der Rauschreduktion. Diese kleinen Fehler lassen sich wahrscheinlich durch Softwarekorrektur beheben. Davon abgesehen, ist der RDR55D ein Traumempfänger. Leider kostet dieser Luxusempfänger mit Messgerätequalität in der vorliegenden Ausführung um die 5200 Euro.

Herzlichen Dank an Dipl.-Ing. Ralph Menn für die Ausleihe des RDR55D.

Gepostet am 5.11.2015

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RFT EKD 500

Er ist gross, 25kg schwer und gebaut wie ein Panzer! Der EKD 500. Diese Geräte wurden um 1986 im Funkwerk Köpenick bei Berlin gebaut. Zu der Zeit war das noch die DDR, die deutsche demokratische Republik. Dort vermochte man Empfänger zu bauen, die noch heute in Gebrauch sind und viele Kurzwellenhörer begeistern. Der EKD 500, wie auch sein Vorgänger EKD 300, fanden weite Verbreitung bei den Funkdiensten. Er wurde hauptsächlich beim Militär eingesetzt und spielte im kalten Krieg sicher eine grosse Rolle. Aber auch im Seefunk und anderen zivilen Bereichen kamen die EKD 500 zum Einsatz.

Die wichtigsten Eckdaten:
Frequenzbereich: 14khz - 30Mhz
Abstimmschrittweiten: 10Hz - 9999Khz frei wählbar
Rastender Drehknopf
Betriebsarten: AM, ECSS Synch., USB, LSB, CW, FAX
Bandbreitenfilter: 0.15 - 0.4 - 0.75 -1.75 - 3.1 - 6.0 - 3Khz+(USB) - 3Khz-(LSB)
Empfindlichkeit: 150khz - 30Mhz AM  ≤ 5µV  --  SSB ≤ 1.5µV
AGC: Kurz - Lang und manuelle Regelung für alle Modi
99 Speicherkanäle
Fernsteuerbar
Suchlauffunktionen
Mitlaufende Vorselektion (Preselektor)
Sehr gutes Grosssignalverhalten
Sehr gute Frequenzstabilität
Modulare Bauweise in Kassettenform
Extrem stabil gebaut
Gewicht: 25kg
Tischgerät im eigenem Gehäuse

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, konnte der EKD 500 über einen Computer ferngesteuert werden. Dafür wurde er auch konzipiert. Das brachte einen Nachteil mit sich. Eine normale Frequenzabstimmung wie beim Vorgänger EKD 300 war nicht möglich. Der EKD 500 hatte nur noch einen unscheinbar kleinen und lautstark rastenden Drehknopf. Zudem gab es Rauscheinbrüche bei der Frequenzabstimmung. Nach zehn Minuten Handabstimmung taten einem die Finger weh. Eine richtige Plackerei! Nur mit zwei einfach auszuführenden Modifikationen konnte Abhilfe geschaffen werden. Die Rastermechanik des Drehknopfes lässt sich Mühelos und ohne Bastelei entfernen. Um den Rauscheinbrüchen während dem Abstimmen Herr zu werden, musste ein Widerstand mit einem anderen Wert auf der Steuereinheit ersetzt werden. Auch recht einfach, wenn man ein wenig Elektronikkenntnisse besitzt. Allerdings sind nur die 10Hz & 100Hz Abstimmschritte von den Rauschunterbrüchen befreit. Schrittweiten über 1Khz haben immer noch Rauscheinbrüche, aber nicht mehr so extrem. Diese Modifikationen habe ich bei diesen Gerät gemacht. Gleichzeitig habe ich einen etwas grösseren Abstimmknopf drangemacht. Jetzt ist der EKD 500 bereit für den Empfang.

Anhand der abgebildeten Anweisung, die auf der Front des Gerätes geklebt ist, musste zuerst der Umgang mit dem EKD 500 erlernt werden. Das wechseln der Betriebsart und der Bandbreiten usw. muss mit einer Art Code eingegeben werden. Will man z.B. auf AM wechseln, muss die Taste "MOD" gefolgt von der Ziffer "2" gedrückt werden. Ändern der Bandbreite auf 3.1khz  wird "B" gefolgt von "5" gedrückt. Für AGC kurz drückt man "GC" gefolgt von "1". Mit "SEL" kann man die Vorselektion ein und aus schalten. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ging die Bedienung recht flüssig.

In den paar Wochen die ich den EKD 500 hatte, habe ich ihn mit allen Geräten verglichen die ich Zurzeit da hatte.

Von der Langwelle bis ins 10m Band lieferte der EKD 500 sehr gute Signalqualität mit gleichbleibender Empfindlichkeit und geringem Rauschen. Hierbei zeigte sich, das die manuelle Verstärkungsregelung (MGC) am besten funktionierte. Die automatische Verstärkungsregelung (AGC) konnte nicht so recht überzeugen. Vor allem die Abfallzeit ist viel zu kurz gewählt. In Sprechpausen rauschte der Empfänger richtig hoch.

Vergleiche mit den üblichen Semiprofessionellen Empfängern wie AOR AR7030, JRC NRD-525 usw. zeigten wie gut die Sprachverständlichkeit des EKD 500 ist. Diesbezüglich war er meistens besser. Die Audiowiedergabe ist nicht gerade Audiophil, recht höhenbetont und hat praktisch kein Bass. Die Verständlichkeit wird zudem durch die exzellenten mechanischen, trennscharfen Bandbreitenfilter erhöht. Eine grosse Unterstützung ist auch der sehr stabile Synchrondetektor, der im ECSS Modus das Signal synchronisiert und das Rauschen und Prasseln weiter optimiert. Bei diesem lassen sich die Seitenbänder sogar auswählen. Bis hierhin eine gute Bewertung! Doch es gibt auch negative Erfahrungen die erwähnt werden sollten.

Der EKD 500 ist ein Profiempfänger der dazu konzipiert wurde, an sehr grossen Antennen betrieben zu werden. Diese Antennen lieferten so viel Pegel, das es nicht gross auf die Empfindlichkeit des Empfängers ankam. Betreiben wir nun einen solchen Empfänger an SWL- üblichen Antennen, wie z.B. einem 20 Draht oder einer ALA1530S+, so verwundert es nicht, das der EKD 500 unterhalb eines bestimmten Pegels zunehmend taub wird. Denn die Hobbyantennen liefern einfach zu wenig Pegel. Hier hat der EKD 500 die "Achillesferse". Da sind die "normalen" Empfänger im Vorteil weil sie empfindlicher sind.

Wie viele andere Profigeräte, bietet auch der EKD 500 keinerlei Hilfsmittel zur Signaloptimierung. Nach einem Noiseblanker, Notchfilter oder Passbandtuning sucht macht vergebens.

Der EKD 500 hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Obwohl diese Geräte extrem robust gebaut sind und den Eindruck erwecken immerwährend zu funktionieren, sollte man sich überlegen, ob so ein Riesenteil, der zudem ein beträchtliches Gewicht auf den Schreibtisch bringt, das richtige ist. Leider geht auch der EKD 500 mal kaputt und könnte hohe Kosten verursachen wenn er repariert werden muss. Nur schon der Versand eines 25kg schweren Gerätes ist nicht gerade billig. Noch sind genügend Ersatzteile für diese Empfänger verfügbar. Einige Elektroniker haben sich auf diese Geräte spezialisiert und können sicher bei Problemen helfen.

Auf den Bildern ist noch das Zusatzgerät EZ 100 zu sehen. Hierbei handelt es sich um einen Preselektor und Funkfernschreibdemodulator. Für SWL- Zwecke nicht von belangen.

Fazit:

Ein riesiger und schwerer Kurzwellenempfänger in echter deutscher Handarbeit! Er liefert sehr gute Empfangsleistungen mit den passenden (grossen) Antennen. In Sachen Sprachverständlichkeit absolute Spitzenklasse. Für SWL- Bedürfnisse sollte der EKD 500 unbedingt am Drehknopf modifiziert werden!

Ein herzliches Dankeschön an Reinhold Schuttkowski für die Ausleihe des EKD 500.

Verfasst am 08.11.2014

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SRT CR91

Der SRT CR91, ausgeschrieben "Standart Radio & Telefon" ist ein professioneller 19" Empfänger aus schwedischer Produktion. Allerdings wurde der CR91 mit Telefunken- Technik gebaut. Gewisse Schaltungen und besonders die Bandbreitenfilter mit 200khz ZF weisen darauf hin. Dieses Modell wurde zwischen 1982 und 1992 gebaut. Sie wurden vornehmlich in Botschaften und Abhörstationen zur Sprechfunküberwachung eingesetzt und kamen hauptsächlich in skandinavischen Ländern zum Einsatz. Dennoch verirrten sich Geräte ins benachbarte Ausland und auch in die Schweiz. SRT hatte mal eine Niederlassung in der Schweiz.

Hier die wichtigsten Eckdaten:
Frequenzbereich: 10khz - 30Mhz
Abstimmschrittweiten: 1Hz - 10Hz - 100Hz
Abstimmgeschwindigkeiten:
Slow: 2.5khz pro Umdrehung
MED: 25khz pro Umdrehung
FAST: 250khz pro Umdrehung
Drehknopf mit Schwungradeffekt
Betriebsarten: AM, USB, LSB, CW, FSK & ISB (Option)
Bandbreitenfilter: 0.3 - 0.6 - 1.5- 6.8 3(USB) - -3Khz(LSB)
AGC: Short - Med - Long - und manuelle Regelung für alle Modi
100 Speicherkanäle
Fernsteuerbar
Sehr gutes Grosssignalverhalten
Sehr gute Frequenzstabilität
Gewicht 12kg
19" Einschubgerät

Leider, wie so oft bei solchen Geräten, musste der CR91 vor dem Test repariert werden. Der Kollege der ihn mir Auslieh, vergass den CR91 vor Abgabe zu testen. So kam es wie es kommen musste. Der CR91 liess sich nicht einschalten. So mussten ich meine Verbindungen zu Spezialisten spielen lassen um jemand zu finden, der den CR91 wieder zum leben erweckte. Zum Glück erwies sich der erste Kontakt als Erfolgreich. Nach nur zwei Wochen konnte ich den CR91 endlich einschalten.

Nach etwas Einarbeitungszeit liess sich der CR91 einfach und schnell bedienen. Allerdings musste die Anleitung konsultiert werden, weil gewisse Funktionen nicht sofort ersichtlich waren.

Der Empfang ist ausgesprochen gut an den normalen SWL- Antennen. Der CR91 ist sowohl in SSB und AM gut zu gebrauchen Dank den exzellenten 200khz ZF-Filter von Telefunken, die eine hervorragende Trennschärfe bieten. DSP- Geräte im Vergleich, waren nicht wesentlich Trennschärfer. Der CR91 konnte gut mit den modernen SDR's mithalten, bis zu einem gewissen Punkt. Musste mal ein Nebenträger ausgeblendet werden, war man schon mit den Möglichkeiten am Anschlag. Auch sind Noiseblanker und sonstige Hilfsmittel nicht eingebaut. Die Flexibilität die man heutzutage erwartet, kann der CR91 nicht bieten. Was mir negativ auffiel, war der extrem schnell einsetzende und zu schnelle Schwungradeffekt. Man konnte praktisch nur mit 1Hz- Abstimmschritten arbeiten. Leider ist es mir nicht gelungen rauszufinden, ob dieser Effekt abschaltbar war. Der Kopfhöreranschluss ist auch nicht gerade "typisch". Es ist ein DIN 5Pol-Anschluss mit 240°. Zum Glück fand ich an der Hamradio 2014 solche Stecker um einen Adapter herstellen zu können.

Im grossen und ganzen ein guter Empfänger in sozusagen "Telefunken- Qualität".

Ein Gerät für Spezialisten. Nicht gut geeignet für SWL's.

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Telefunken E1501

Der 19" Profi- Empfänger von Telefunken, der E1501, ist die erweiterte Version des E1500. Letzterer ist die abgespeckte Version ohne ISB, Antennendiversity und der Abstimmhilfe/ Sichtanzeige für RTTY. Der E1501 kann mit diversen Modulen erweitert werden. Die wichtigste Erweiterung für mich ist das Preselektormodul. Dieser ist bei meinem Gerät eingebaut.

Hier die wichtigsten Eckdaten:
Frequenzbereich: 10khz - 30Mhz
Abstimmschrittweiten:
mit Hebelschalter ↑ 300Khz/s
mit Hebelschalter ↑↑ 3Mhz/s
Drehknopf mit Schwungradeffekt
Betriebsarten: AM, USB, LSB, CW, RTTY & ISB (Option)
Bandbreitenfilter: 0.1 - 0.3 - 0.6 - 7.0 - 14 - +3(USB) - -3Khz(LSB)
AGC: Für AM> Schnell, SSB> Langsam & Schnell und manuelle Regelung für alle Modi
Sehr gutes Grosssignalverhalten

Der E1501 wurde in Küstenfunkstellen, in der Funküberwachung, Fernmeldeaufklärung und beim Militär eingesetzt. Durch seine modulare Bauweise konnte er den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden. Er fand wegen seiner ausgezeichneten Eigenschaften sehr weite Verbreitung. Auch in der Schweiz wurde der E1501 bei den Behörden und vom Militär eingesetzt. Ab und zu werden solche Geräte auf Ebay und auch aus privater Hand verkauft. An der Stelle möchte ich darauf hinweisen, das beim Kauf solcher Geräte ein Test vor dem Kauf unbedingt gemacht werden sollte. Nicht selten haben die Empfänger Mängel!

Die ausgezeichneten Eigenschaften des E1501 fangen bei der Mechanik des Gerätes an und setzen sich fort in der Elektronik und letztendlich in den Empfangseigenschaften. Bei diesen Geräten wurde an nichts gespart. Sie wurden so gebaut, um Jahrzehnte lang ohne Ausfälle zu funktionieren. Mein Gerät stammt aus fachkundiger Hand, wurde fachmännisch gewartet und ist demnach in sehr gutem Zustand, Mechanisch wie Elektronisch. Nur die Drehknöpfe habe ich ersetzt, weil diese vergilbt waren.

Der E1501 ist ein Gerät für den Kenner. Er fühlt sich wohl in einer ungestörten Empfangsumgebung, denn er besitzt keine Entstörhilfen wie Notch, PBT usw. Lediglich einen Störbegrenzer hat er eingebaut. Dieser schneidet die Hochfrequenten Audiospitzen etwas ab und macht den Empfang ruhiger. Das war es auch schon. Was man auch als Entstörhilfe ansehen könnte, sind die mechanischen Bandbreitenfilter. Diese haben eine sagenhafte Trennschärfe und Klangqualität. Will man nicht auf Notch & Co. verzichten, kann man ein externes Audiofilter verwenden. Ich habe hier den alten Dierking GD82NF im Einsatz. Dieser kann den Empfang ab und zu etwas entstören.

Wie ist der Empfang dieses 17kg schweren Empfängers? Verglichen habe ich ihn mit diversen Amateur & Profi- Empfängern. Wenn sich die HF- Störungen in Grenzen halten, spielt der E1501 an der Spitze mit. Er ist ein richtiger Hardcore DX- Empfänger. Auch wenn die Filterauswahl für Sprache spärlich ist. Die Amateurgeräte schlägt er nahezu bei 80% der Empfangsfälle. Die fast unglaubliche Trennschärfe, die (sehr) helle Wiedergabe und das gute Grosssignalverhalten verhelfen dem E1501 zu Spitzenleistungen. Richtig in Fahrt kommt der E1501 wenn man die Verstärkungsregelung von Hand vornimmt. Dann kommt er sehr nahe an den letzthin getesteten Ten-Tec RX340. In dieser Klasse ist es schwer einen Lieblingsempfänger zu haben. Denn die Empfangsunterschiede sind sehr gering. Zudem haben solche Geräte eine magische Anziehung.

Ein Gerät ohne Schnickschnack aber mit hervorragendem Empfang!

Verfasst am 13.11.2012

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Telefunken E1700

Der Telefunken E1700 ist der direkte Nachfolger der E1500 Serie. Die technischen Daten sind der des E1501 sehr ähnlich. Ausser das Grosssignalverhalten wurde weiter verbessert. Was eine echte Neuerung beim E1700 ist, sind die 30 Speicher, in der sich die Frequenz, Betriebsart und die Bandbreite abspeichern lassen. Diese "Speicherfunktion" ist oben Links auf der Front des E1700 untergebracht. Es sind die schwarzen Knebelschalter. Die Bedienung dieser ist recht einfach. Mit den Hebeln den Speicherplatz anwählen, den kleinen Hebelschalter darunter mit dem Hebel rechts vom VFO gleichzeitig nach oben drücken und schon ist der Speicher programmiert. Zum aufrufen des Speichers wird der Hebel unterhalb der Speichereinheit nach unten gedrückt.

Empfangsseitig ist der E1700 vom E1501 praktisch nicht zu unterscheiden. Ich habe Nächtelang nach Situationen gesucht um Unterschiede rauszuhören. Das ist mir nicht gelungen. Der einzige Unterschied ist, der E1700 ist anfälliger auf elektische Störungen. Weidezäune und Knackstörungen sind mit ihm besser wahrzunehmen. Aus diesem Grund wird es keine Audiovergleiche mit dem E1501 geben. Die Unterschiede sind wie schon erwähnt > gleich Null.

Was macht den E1700 so reizvoll? Die Hobbywelt ist ganz verrückt nach diesem Empfänger. Reizvoll ist die extreme Seltenheit dieses Gerätes. Der E1700 ist praktisch nicht zu bekommen. Diese gehen meistens unter der Hand weg... wenn es denn welche gibt.

Der E1700 ist ein exzellenter Empfänger. Wie der E1501, hört er das Gras wachsen. Vorausgesetzt man bietet dem E1700 die richtige Antenne und vor allem den Störungsfreien Empfangsort.

Verfasst am 24.12.2012

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AEG Telefunken E1800/3

Der E1800/3 ist einer der begehrtesten Profiempfänger überhaupt. Gemäss Tests aus den neunziger Jahren wurde der 1800/3 als weltbester Kurzwellenempfänger gehandelt. Kein Wunder, das diese Empfänger zu enormen Preisen verkauft wurden. Nicht selten wurden über 10'000Euro für ein ausgemustertes Gerät im Gebrauchtmarkt bezahlt. Der Neupreis des hier gezeigten E1800/3 lag damals bei 52835 DM.

Hier die detaillierte Aufstellung gemäss der vorliegenden Originalpreisliste:

Bezeichnung
EP
Anzahl
Preis in DM
E1800/3
40200
1
40200
TD1710/2
4560
1
4560
AD1710
2680
1
2680
BT1800
1450
1
1450
SER1810
2245
1
2245
Filter
850
2
1700
 
 
 
 
 
 
Gerätepreis:
52835

Der E1800/3 ist nach dem E1800, der Nachfolger der bewährten Telefunken Empfänger E1501 & E1700. Einige Komponenten die im E1501 & E1700 in Verwendung waren, wurden im E1800/3 weiter verbaut. Allerdings wurden die Komponenten immer wieder optimiert.

Wie seine Vorgänger, wurde der E1800/3 vornehmlich in Abhörstationen, von Militärs und teils bei Seefunkstellen eingesetzt. Viele solcher Geräte waren auch in automatisierten Abhörstationen im Einsatz, wo ein Computergesteuertes System die Überwachung der Frequenzen übernahm. Diese Geräte wurden teils ausgemustert und durch modernere Software Defined Radios (SDR) ersetzt. Darum sind einige dieser Geräte in fast neuwertigem Zustand im Gebrauchtmarkt erhältlich, weil sie nie von Menschenhand bedient wurden.

Hier die wichtigsten Eckdaten:
Frequenzbereich: 10khz - 30Mhz
Abstimmschrittweiten:
Abstimmgeschwindigkeit ist abhängig von der eingestellten Bandbreite
Stellung langsam: 1/2 Umdrehung ergibt eine Frequenzänderung  etwa gleich der eingestellten ZF-Bandbreite
Stellung schnell: 1/2 Umdrehung ergibt eine Frequenzänderung  etwa 10x der eingestellten ZF-Bandbreite
Kleinster Abstimmschritt: 10Hz
Betriebsarten: AM, USB, LSB, CW, RTTY & Fax
Bandbreitenfilter: 0.1 - 0.3 - 0.6 - 1.5 - 3.0 -10 - +3khz(USB) - -3Khz(LSB) >> 10khz ist der Roofingfilter
AGC: Für alle Modes, Schnell, Langsam & Abschaltbar für manuelle Regelung
100 Speicherplätze mit Scanfunktion und zuschaltbarem Sprachsquelch
Frequenzscan mit zuschaltbarem Sprachsquelch
BITE Test (Selbsttestfunktion)
Sehr gutes Grosssignalverhalten

Je nach Einsatzgebiet kann die Empfängerausrüstung anders ausfallen. Der hier getestete Empfänger wurde hauptsächlich für CW, RTTY und SSB Sprechfunk eingesetzt.

Ich habe den E1800/3 etwa zwei Wochen lang betrieben und habe mir über den damals "weltbesten Empfänger" meine Meinung gebildet. Um einen fairen Vergleich zu machen, habe ich mir von einem Kollegen den Racal RA3712 ausgeliehen. Dieser RA3712 ist etwas moderner und flexibler als der E1800/3. Dennoch sind die Empfangsleistungen praktisch auf dem selben Niveau. Auch habe ich meinen übrigen Gerätepark in diesen Vergleichstest miteinbezogen.

Der E1800/3 ist in der Tat ein Spitzenempfänger! Aber er war nicht besser oder schlechter als der RA3712! Beide Geräte lieferten nahezu die selbe Signalqualität. Hier muss ich betonen, das dies nur möglich war bei manueller Verstärkungsregelung des E1800/3. Denn die AGC- Automatik ist nicht optimiert für Sprechfunk oder Rundfunk. Die AGC- Regelung setzt viel zu schnell ein. Das bedeutet, die ersten Silben am Anfang des Satzes werden durch die zu schnell einsetzende AGC- Regelung weggeknallt. Ein ganz grosses Manko für ein solches Gerät! Das bestätigt die Aussagen anderer 1800/3 Besitzer. Wie viele andere Profi- Geräte, ist auch der E1800/3 flexibel wie ein Stein. Er hat keine Hilfsmittel zur Empfangsverbesserung wie Noiseblanker, Bandpass Tuning usw. Wenn ein SWL mit so einem Gerät ernsthaft arbeiten will, müssen Zusatzgeräte wie Audiofilter usw. bemüht werden. Sollte der Empfänger nicht die passenden ZF- Filter verbaut haben, kann dies zu einer teuren Angelegenheit und aufwändigen Suche ausarten. Solche ZF- Filter sind heutzutage praktisch nicht mehr zu finden. Vor allem die 5 & 6khz AM Filter sind unauffindbar!

Der E1800/3 ist ein Spitzenempfänger mit verbesserter und vereinfachter Bedienung gegenüber seinen Vorgängern. Doch leider ist auch der E1800/3 kein praktischer Kurzwellenempfänger für SWL- Bedürfnisse. Trotz hervorragender Empfangsqualität bei manueller Verstärkungsregelung, ist der E1800/3 nur bedingt brauchbar, weil er zu unflexibel ist. Vergleicht man ihn mit einem modernen Empfänger wie z.B. dem Reuter RDR50C2 oder dem Perseus SDR, wird einem schnell klar was einem solchen Profi fehlt. Die Flexibilität!

Lohnt sich die Anschaffung eines solchen Gerätes? Von der praktischen Seite her gesehen ganz klar Nein! Sieht man das ganze Sentimental und hat dazu noch das nötige Kleingeld, ganz klar Ja! Es ist ein wunderbares Gerät das einen in seinen Bann zieht und Spass macht.

Unter diesem Link sind technische Daten und weitere Informationen zum E1800/3 zu finden. >E1800/3< Danke Reinhart.

 
Pro:
-Eine richtige Legende.
-Wunderbares Gerät. Man kommt richtig ins schwärmen.
-Top verarbeitet. Höchste Qualität.
 
Contra:
-Noch sehr teuer, teils überteuert.
-Unflexibel
-Zusatzfilter kaum erhältlich und teuer.
-Reparaturen sind schwer auszuführen und können extrem teuer werden.

Verfasst am 21.04.2014

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Der E1800/3 in Betrieb (HD Video)

 

 

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AEG E800/2

Einem befreundeten Funkamateur ist es zu verdanken, dass über den AEG E800/2 erstmals im Internet berichtet wird. Er überliess mir den E800/2 für 2 Wochen. An dieser Stelle herzlichen Dank an Paul, HB9MFD.

Über diesen Profi- Empfänger ist praktisch nichts bekannt. Er wurde meines Wissens einmal bei Ebay angeboten. Und das war es schon!

Basierend auf die E1800- Empfängerreihe, die sehr bekannt und begehrt ist, entstand der E800/2. Warum ein E800/2? Für manch einfache Überwachungsaktivität, wie z.B. das Abhören des Sprechfunks, war der E1800 schlicht zu teuer. Nicht jede Behörde war dazumal bereit knapp 50'000DM für ein solches Gerät auszugeben. Bedenkt man, dass eine Abhörstation mehrere, vielleicht dutzende solcher Geräte im Einsatz hat, kann man sich ausmalen, was für immense Kosten diese speziellen Empfänger verursacht haben. So wurde der E800/2 entwickelt. Ein sozusagen abgespeckter E1800. Der E800/2 kostete um die 32'000DM. Er ist nicht Modular in Kassettenbauweise konstruiert. So wiegt er nur noch rund die Hälfte des E1800/3. Er besitzt lediglich zwei grosse Hauptplatinen, einen Trafonetzteil und die Steuereinheit die mit der Frontplatte verschraubt ist. Das entspricht der herkömmlichen Bauweise eines Amateurfunkempfängers. Zudem wurden ein paar elektronische Downgrades vorgenommen, die für den Einsatz nicht wichtig waren. So z.B. einen langsameren Synthesizer, weil der E800/2 nicht für Peilungen eingesetzt wurde. Auch an den Bedienelementen wurde gespart. Das RF-Gain und der BFO-Regler wurden weggelassen. Die Regelung dieser Funktionen übernimmt der magnetisch rastende VFO- Abstimmknopf.
Diese Einsparungen lassen vielleicht auf eine verminderte Empfangsleistung schliessen. Dem ist aber nicht so! Die Empfangsleistungen entsprechen weitgehend denen des E1800/3! Das Grosssignalverhalten musste trotzdem sehr gut sein, weil der E800/2 auch in grossen Sende/Empfangsanlagen zum Einsatz kam.

Hier die wichtigsten Eckdaten:
Frequenzbereich: 10khz - 30Mhz
Abstimmschrittweiten:
Abstimmgeschwindigkeit ist abhängig von der eingestellten Bandbreite
Stellung langsam: 1/2 Umdrehung ergibt eine Frequenzänderung  etwa gleich der eingestellten ZF-Bandbreite
Stellung schnell: 1/2 Umdrehung ergibt eine Frequenzänderung  etwa 10x der eingestellten ZF-Bandbreite
Kleinster Abstimmschritt: 10Hz
Betriebsarten: AM, USB, LSB, CW, RTTY & Fax
Bandbreitenfilter: 0.3 - 0.6 - 1.0 - 3.0 - 6.0 - 10 , +3khz(USB) - -3Khz(LSB) >> 10khz ist der Roofingfilter
AGC: Für alle Modes, Schnell, Langsam & Abschaltbar für manuelle Regelung
100 Speicherplätze mit Scanfunktion
Frequenzscan
BITE Test (Selbsttestfunktion)
Sehr gutes Grosssignalverhalten
Magnetisch rastender VFO- Abstimmknopf

Der E800/2 ist sehr einfach zu bedienen. Eigentlich fast gleich wie der E1800/3. Wie sein grosser Bruder, hat der E800/2 keinerlei Hilfsmittel an Bord, um eventuelle Störungen zu dämpfen.
Der Empfang ist weitgehend gleich wie beim E1800/3. An den SWL- üblichen Antennen funktioniert der E800/2 selbstverständlich ohne Probleme. Auch hier ist ein arbeiten mit der manuellen Verstärkungsregelung von Vorteil. Das vermindert das Grundrauschen und macht das Hören angenehmer. So hat der E800/2 eine tolle Audio! Ein Punkt aber soll hier erwähnt sein. Die AGC des E800/2 ist besser geeignet für Hörempfang als beim E1800/3! Diese regelt nicht so schnell wie beim E1800/3.
Unter dem Strich ein tolles Gerät! Der E800/2 ist geeigneter für den SWL als der E1800/3. Aber nur in einem einzigen Punkt! Die Reparierbarkeit! Er ist gebaut wie ein Amateurfunkempfänger und lässt sich ungleich leichter reparieren. Leider ist auch hier das Problem der Teilebeschaffung. Sollte die Kiste mal kaputt gehen, wird man ähnliche Probleme haben wie beim E1800/3.

Mein Tipp: Profi- Empfänger sind was für Profis. :-).


Verfasst am 18.05.2014

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Ten-Tec RX340

Der RX340 ist ein professioneller 19" DSP Empfänger der heute noch produziert wird. Seit seinem erscheinen im Jahr 2000 wurden Modifikationen an der Software wie an der Hardware gemacht. Mein Gerät ist Baujahr 2005.

Hier die wichtigsten Eckdaten:
Frequenzbereich: 50khz - 30Mhz
Schrittweiten: 1Hz, 10Hz, 100Hz, 1Khz, 5Khz, 9Khz, 10Khz, 100Khz, 1Mhz (Wie man sieht, wurden auch SWL- spezifische Schrittweiten berücksichtigt.)
Betriebsarten: AM, SAM, USB, LSB, ISB, CW, CW1, FM.
DSP- Bandbreitenfilter: 57
AGC: Fast, Medium, Slow & Programmierbar
Speicher: 200
Sehr gutes Grosssignalverhalten

Der RX340 ist, wie auch die meisten Profi- Geräte, eher selten anzutreffen. Er ist aber einer der wenigen Profigeräte, der die Bedürfnisse der Kurzwellenhörer deckt. So ist dank "DSP" ein Notchfilter, das Bandpasstuning sowie ein Noiseblanker verfügbar. Die mechanische Stabilität ist gut, wobei die Frontplatte mit einer Selbstklebefolie überzogen ist, auf der die Beschriftung aufgedruckt ist. Vergleicht man dies mit der Front eines Telefunken oder Racal- Gerätes, so ist das eine sehr billige und empfindliche Oberfläche. Aber das war schon der gröbste Ausrutscher des RX340. Die Empfangsqualität hat es dafür in sich! Der RX340 kann wirklich überzeugen. Der Empfänger ist Grossignalfest und so Rauscharm, so das man ins Schwärmen gerät. Allerdings, um das Potential voll ausnutzen zu können, muss der RX340 mit manueller Empfangsverstärkung gefahren werden. Nur so erhält man Empfangsergebnisse die einen ins Staunen versetzen.

Verglichen habe ich ihn mit dem Reuter RDR50B, dem Telefunken E1501 & E1700. In der Empfindlichkeit ist der RX340 gehörmässig auf der Höhe der Telefunken- Geräte. Bei den schwächsten Signalen an der Grasnarbe, haben die Telefunken- Geräte die Nase ein klein wenig vorne wegen ihrer sehr hellen Wiedergabe. Dafür Rauschen sie deutlich stärker! Der RDR50B fällt in dieser Disziplin etwas ab. Signale an der Grasnarbe sind nicht seine Stärke. Für den Kurzwellenhörer ist der Synchrondetektor(SAM) eine wichtige Funktion. Dieser ermöglicht weitgehend einen Fadingfreien Hörgenuss. Leider leistet sich der RX340 hier einen kleinen Patzer! Der Synchrondetektor verliert zu schnell die Synchronisation, sobald das Signal etwas schwächer wird. Ist das Signal über einen bestimmten Wert, ist die Wirkung des Synchrondetektors Spitze. Absolut sauberer Empfang. Aufgefallen ist auch, dass der Noiseblanker in SAM nicht funktioniert. Ich vermute, das ist nicht sauber programmiert worden. Auch unverständlich, das Notchfilter ist in AM nicht verfügbar. In SSB sind aber alle Funktionen verfügbar. Was auch zu einem Spitzenempfang beiträgt ist die frei programmierbare AGC. Diese kann in der Anstiegszeit, Haltezeit und in der Abfallzeit frei eingestellt werden. Sowas ist selten anzutreffen. Die Speicherverwaltung ist einfach und effektiv. Die Anleitung musste nicht zur Hand genommen werden.

Unter dem Strich kann gesagt werden, dass der RX340 mit jedem anderen Gerät mithalten kann! Die Empfangsqualität ist weitgehend unübertroffen. Nur die SDR- Geräte neuster Generation könnten vielleicht noch einen Hauch besser und flexibler sein. Aber, diese sind keine Standalone- Geräte.

Ein Traumempfänger dieser RX340!

Die RX340 Story. Unterhalb der Bilder.

Verfasst am 10.11.2012

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Einige, die sich für professionelle Kurzwellenempfänger interessieren ist die grosse Ähnlichkeit zwischen dem Ten-Tec RX340 und dem Watkins Johnson HF1000 bestimmt aufgefallen. Diese Ähnlichkeit ist kein Zufall, denn Ursprünglich hatten beide Geräte den selben Urvater. Dieser Urvater war ein Gemeinschaftsprojekt von Ten-Tec & Watkins Johnson. Wie kam das zustande? Seinerzeit, so um 1991, vergab die NSA (National Security Agency) ein Projekt mit dem Ziel, eine neue Generation von Überwachungsempfängern unter der Preismarke von 10'000USD  bauen zu lassen. Dazumal wurde der Markt vornehmlich von Watkins Johnson, Racal und Cubic dominiert. Ten-Tec wollte auch dieser Gruppe beitreten. So begann die Zusammenarbeit von Ten-Tec und Watkins Johnson. Ein Jahr lang arbeiteten die Ingenieure beider Unternehmen zusammen um die NSA Spezifikationen unter die 10kUSD- Grenze zu bekommen. Schliesslich war der Zeitpunkt gekommen, der NSA die neue Gerätegeneration zu presentieren. Doch "WJ" ging überraschend ihren eigenen Weg und stellte eine neue Spezifikation vor. Die neue Spezifikation besagte, dass die Geräte 20'000 Stunden ununterbrochenen Störungsfreien Betrieb aushalten müssten. Diese Spezifikation wird bei der Raumfahrttechnik angewandt. Das konnte Ten-Tec zu diesem Zeitpunkt nicht garantieren und wurde so aus diesem Geschäft gedrängt. Für "WJ" war diese Spezifikation kein Problem, weil sie schon Jahrelang Geräte baute die die Militär Spec's einhielt. Doch "TT" wehrte sich und baute den RX330 und ging damit ihren eigenen Weg. Ein HF Empfänger der nur über PC steuerbar war. Damit hatten sie sehr guten Erfolg und die RX330 fanden grossen Absatz bei den Militärs. Aus dem RX330 wurde später dann der RX340. Ein DSP- Empfänger mit Frontplattenbedienung. Der RX340 wird heute noch gebaut und wird auch Kommerziell eingesetzt.

 

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Watkins Johnson HF-1000

Watkins Johnson war ein amerikanischer Hersteller professioneller Kommunikationstechnik. Sie produzierten Geräte für das Militär und sonstigen Behörden mit speziellen Aufgaben. Zu den Kunden zählten auch die NASA und die NSA (National Security Agency). Durch eine Projektvergabe der NSA, entstand um 1991 der WJ-8711, der Vorgänger des HF-1000. Weil auch die zivile Welt Interesse an diesem Empfänger hatte, wurde um 1994 der HF-1000 am Markt eingeführt.

Der Watkins Johnson HF-1000 ist ein DSP- Kurzwellenempfänger, ganz ähnlich aufgebaut wie der Ten-Tec RX340. Beide Geräte haben weitgehend die selbe Entwicklung hinter sich. Der HF-1000 ist wie viele andere Profigeräte eher selten anzutreffen. Ab und zu tauchen solche Geräte im Ebay auf und wechseln zu stolzen Preisen den Besitzer.

Die wichtigsten Eckdaten:
Frequenzbereich: 5khz - 30Mhz
Abstimmschrittweiten: Frei wählbar
Betriebsarten: AM, SAM, USB, LSB, CW, ISB, FM
Bandbreitenfilter: 58 digitale Filter (DSP) von 56Hz - 8Khz
AGC: Fast, Medium, Slow, Manuell (Abfallzeiten einstellbar)
100 Speicherplätze mit Scanfunktionen
BITE Test (Selbsttestfunktion)
Gutes Grosssignalverhalten
Grosser Abstimmknopf
19" Bauweise
Gewicht: 6kg

Als der Kollege mir den HF-1000 brachte war ich schon etwas aufgeregt! In alten Tests hiess es, der HF-1000 mache süchtig. Nun, dann wollen wir uns mal an die Droge heranwagen. Gegen Abend nahm ich den HF-1000 in Betrieb. Klar, erst muss man sich mit dem Gerät vertraut machen und mal etwas an den Knöpfen drehen. In der ersten halben Stunde fiel mir auf, das der Lüfter des Gerätes ziemlich laut vor sich hin surrte. Ich legte meine Hand auf den Empfänger um die Temperatur zu checken. Komisch, der HF-1000 war nicht mal Handwarm. Ich beugte mich mal übers Gerät und suchte den Lüfter, fand aber keinen! So musste ich verdutzt feststellen, das dieses laute surren aus dem Lautsprecher des Gerätes kam. Ich dachte, das Lautsprecherkabel ist womöglich nicht richtig eingesteckt und öffnete mal das Gerät. Fehlanzeige! Alles war richtig eingesteckt. Durch das ungünstige Platinenlayout gibt es digitale Einstreuungen in die Audioleitungen. Auch der Kopfhörerausgang ist davon betroffen. Dort rauscht es vernehmlich, auch ohne das die Lautstärke aufgedreht ist. Ich habe mich bei einem Spezialisten in den USA erkundigt und er bestätige die Audioprobleme der ersten HF-1000. Angeblich haben die nachfolgenden HF-1000A dieses Problem nicht mehr.

Mit einem Equalizer konnte ich die störenden Artefakte weitgehend unterdrücken. Bei ganzen schwachen Stationen und wenn man den RF-Gain etwas zurückregelte, waren die Artefakte trotzdem noch im Hintergrund zu hören.

Das war der erste Dämpfer, der nächste liess nicht lange auf sich warten.

Jetzt, wo die digitalen Artefakte fast nicht mehr zu hören sind, macht sich was anderes bemerkbar. Die miserable AGC! Bei jeder Einstellung kratzte die Wiedergabe das Signals ganz fürchterlich. Nur mit manueller Verstärkungsregelung liess sich dieses schwere Manko umgehen. Ich dachte mir, das kann doch nicht wahr sein. Das soll der sagenumwobene HF-1000 sein? So machte ich mich noch mal auf die Suche nach Antworten. Diese war dann recht schnell gefunden. Dieser HF-1000 hatte noch eine uralte Firmware installiert. Bei einem Spezialisten in den USA bekam ich die letzte Firmware die mit diesem HF-1000 funktionierte. Diese Firmware liess ich dann auf die zwei Eprom's brennen. Das kostete zum Glück nur etwas Recherche und 48USD mit Versand.

So, nach zwei Wochen konnte ich endlich mit den Empfangsversuchen beginnen. Die neue Firmware bot eine wesentlich verbesserte AGC und 4Khz Bandbreite für SSB. Ich verglich den HF-1000 hauptsächlich mit dem Reuter RDR50C2 und dem JRC NRD525, der die Kiwa- Modifikation hat.

Der HF-1000 hat eine wunderbar breitbandige Audiowiedergabe. Er hat einen schönen Bassbereich und klingt sehr hell. Die Verständlichkeit ist enorm. Er klingt sehr ähnlich wie der RDR50C2, nur das die Verständlichkeit des HF-1000 an der Grasnarbe eine Spur besser ist. Der NRD525 klingt trotz Kiwa Mod. schon fast wieder Dumpf. In Sachen Empfindlichkeit ist der HF-1000 etwa gleich wie die anderen zwei Empfänger. Ausser in den oberen Frequenzen (11m - 10m Band) fällt die Empfindlichkeit geringfügig ab. Da sind die anderen zwei leicht im Vorteil. Der schaltbare Vorverstärker des HF-1000 bringt keinen wirklichen Vorteil, nur mehr Rauschen. Was wiederum ein bisschen enttäuschte war das fehlen des Passband Tunings (PBT) in der Betriebsart SSB. Dieser war nur in CW aktiv. Der Noiseblanker funktionierte sehr gut und konnte die hiesigen Weidezaunimpulse sehr gut rausfiltern. Exzellent ist auch das Notchfilter. Dieser blendet Störer praktisch restlos aus. Eines der besten Notchfilter die ich bis jetzt an einem Tischgerät fand. Der Empfang von Rundfunkstationen in AM Synchron (SAM) war ein Genuss erster Güte. Der Synchrondetektor verlor sehr selten die Synchronisation und brachte auch schwach einfallende Stationen in sehr guter Qualität. Leider liessen sich die Seitenbänder nicht wechseln um Seitenbandstörungen zu umgehen.

Die Bedienung des HF-1000 ist recht einfach. Die Anleitung musste nur für die selten benötigten Funktionen zur Hand genommen werden. Eines bereitete mir Kopfschmerzen! Die mechanische Qualität des HF-1000. Die ist einfach schlecht. Ich habe selten eine so billig zusammengebaute Blechkiste gesehen. Auch die Front wird einem Profigerät nicht gerecht. Die ist wie beim RX340 aus einer bedruckten Selbstklebefolie. Bei ungünstigen Umgebungsbedingungen löst sich diese schnell ab. Kurz gesagt, an der Mechanik wurde gewaltig gespart!

Fazit:

Es ist nicht einfach dieses Gerät der ersten Stunde einzuschätzen, weil nachfolgende Versionen doch erheblich verbessert wurden. In dieser Version bietet das Gerät nicht den vollen Funktionsumfang. Ein paar wichtige Funktionen wie das Passband Tuning in SSB und die schaltbaren Seitenbänder im SAM- Modus gibt es hier nicht. Lässt man das bei Seite und sieht man auch von den digitalen Einstreuungen in die Audiokanäle ab, liefert der DSP- Empfänger einen wunderbaren Empfang mit exzellenter Trennschärfe und Verständlichkeit. Er ist sehr einfach zu bedienen und man kommt auf Anhieb klar mit ihm. Nicht gut ist die mechanische Verarbeitungsqualität. Die ist billig.

Trotz einiger Ausrutscher muss man den HF-1000 als Spitzenempfänger bezeichnen. Selten habe ich eine so klare und verständliche Widergabe des Signals gehört.

Tipp: Beim Kauf eines HF-1000 sollte unbedingt darauf geachtet werden das
-- der Preselektor eingebaut ist
-- die angezeigte Firmware mindestens 04.01.03 ist
-- der BITE Test ohne Fehler durchläuft
-- die Audio frei ist von digitalen Artefakten

Verfasst am 30.11.2014

 
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HD Video des HF-1000
 

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