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Stampfl RF-Shark

 

Im Jahr 2014 brachte Heinz Stampfl (HB9KOC) seinen ersten Empfängerbausatz Junior 1 auf den Markt. Kurz danach folgte der Junior 1D, der deutlich komplexer war und auch teurer. Diese Bausätze  fanden grossen Anklang bei Hobbybastlern, denn durch das durchdachte Konzept, waren sie leicht aufzubauen. Nun gibt es einen neuen Empfängerbausatz von Heinz. Den RF-Shark. Dieser Bausatz ist eher für den erfahrenen Bastler gedacht. Auch gute Lötkenntnisse sollten vorhanden sein.

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Unten im Bild sind all die Teile zu sehen, die verbaut werden müssen. In den vielen Plastikbeuteln befinden sich rund 500 Bauteile. Gehäuse, Kabel und Schrauben mitgezählt. Ganz wichtig für ein gutes Gelingen ist eine Aufbauanleitung. Diese liegt dem Bausatz selbstverständlich bei und ist nach meiner Interpretation gut gelungen und übersichtlich. Hier kann die >Aufbauanleitung< runtergeladen werden.

Wie schon beim Junior 1 Bausatz, stellte mir Heinz ein fertig aufgebauten RF-Shark zum testen zur Verfügung. Alfred Klüss- DF2BC, baute den RF-Shark auf und schrieb einen Kurzbericht darüber, der in der Fachzeitschrift Funkamateur erschienen ist.

Hier kann der Beitrag runtergeladen werden.

Der Beitrag  wurde freundlicherweise vom Funkamateur.de zur Verfügung gestellt.

Die wichtigsten Eckdaten des RF-Shark
 
• Frequenzbereich: 40KHz - 30MHz
• Schrittweiten: 10Hz -100Hz- 1kHz- 5kHz- 9kHz
• Betriebsarten: AM, LSB, USB, CW
• Zwei AM Bandbreiten 6-9 kHz
• SSB Bandbreite: 3KHz (Murata CFJ455K)
• CW Bandbreite: 750Hz (Audiofilter)
• Korrekte Frequenzanzeige in der SSB Betriebsart
• Symmetrisch betriebener erster Mischer (AD831)
• DDS Localoszillator ( AD9851 )
• 30 MHz TCXO als Referenzoszillator +-0,1 ppm 20 C +- 1 ppm -10+60 C
• Symmetrischer Ausgang des DDS
• 180 MHz DDS Takt ( 6 x 30 MHz)
• 8 Poliges Quarzfilter 1.ZF
• Optischer Drehencoder (Copal)
• Beleuchtete MULTIMEC Taster
• Direktwahltasten Amateurfunk und Rundfunkfrequenzen
• MEMO Taste speichert alle Einstellungen vor dem Abschalten ab
• SMA Ausgänge TCXO, DDS-LO, 1.ZF (Splitter PSC2-1) für z.B. Panadapter
• 3,5 mm KH (Stereo)
• 50 Ohm BNC Antennenanschluss
• Analoges S-Meter "nur Relativanzeige"
• Manueller Preselektor
• Gewicht: 1,7 kg
• Stromverbrauch 480 mA
• Spannungsversorgung 11-15V
• Länge 290mm Tiefe 135mm Höhe 110mm

Aussehen/Qualität

Mit seinen seitlichen Griffen, versprüht der RF-Shark einen professionellen Touch. Auch die Verarbeitungsqualität ist fast auf Profi- Niveau. Das Gehäuse ist aus blau eloxiertem Aluminiumblech, alle Drehknöpfe aus schwarz eloxiertem Aluminium. Die Lasergravuren sind exakt und gut lesbar. Alle Taster und das S-Meter sind Hintergrundbeleuchtet. Um die Innereien zu betrachten habe ich mal ein Blick unter die Haube riskiert. Dafür musste ich das Gerät aufschrauben. Die Platinen sind in ungewohntem Weiss gehalten und sehen richtig cool aus. Normalerweise bekommt man immer grüne Platinen zu sehen. Dieses Gerät wurde von Heinz selbst zusammengebaut. Alles sieht ordentlich verarbeitet aus. Das Zusammenschrauben klappte ohne Probleme, weil das Gehäuse recht passgenau ist. Das LCD- Display ist das zentrale Element des Empfängers. Es hat vier Reihen zu zwanzig Zeichen, kombiniert mit gutem Kontrast und ist auch seitlich gut ablesbar. Der RF-Shark kann mittels Klappfüssen auf der Rückseite schräg aufgestellt werden, um ihn eine bequeme Bedienungsposition zu bringen. Für einen Bausatzempfänger bietet der RF-Shark aussergewöhnlich viele Anschlussmöglichkeiten.

Anschlüsse:
-- BNC Antennenanschluss
-- DC Anschluss für die Stromversorgung
-- Kopfhörer/Lautsprecheranschluss
-- 10.7MHz Ausgang für z.B. einen Panadapter
-- DDS Ausgang.  Ausgabe des Oszillatorsignals.
-- Referenzsignal Ausgang.

Der RF-Shark ist kein Billigbausatz! Die verwendeten Teile sind von guter bis sehr guter Qualität und teilweise besser als die von im Handel erhältlichen Fertiggeräte! Als Beispiel der optische Drehencoder von Copal für den VFO- Abstimmknopf.

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Bedienung des RF-Shark

Die Bedienung ist sehr einfach und braucht kein grosses Studium der Bedienungsanleitung. Mit den Tastern auf der linken Seite werden entweder die Amateurfunkbänder (HAM) oder die Rundfunkbänder(RADIO) angewählt. Im Display ist je nach dem welches Band eingestellt ist, dessen "Meterband"- Anzeige dargestellt. Mit dem Taster "MODE" werden die Betriebsarten gewechselt. Wird der Taster "MEMO" vor dem ausschalten des Gerätes gedrückt, werden die zuletzt eingestellten Parameter wie Frequenz und Betriebsart abgespeichert. Beim nächsten einschalten werden diese Parameter automatisch wieder eingestellt. Der "STEP" Taster schaltet die Schrittweiten um. Mit "ATT" wird ein 24dB Dämpfungsglied in den Signalweg geschaltet. Alle Funktionen werden im  Karussell- Modus geschaltet. Der Drehknopf "PRESELECTOR" ist eine Spezialität des RF-Shark. Bei jedem grösseren Frequenzwechsel muss der Preselektor von Hand nachgestellt werden um den bestmöglichen Empfang zu erzielen. Das hat den grossen Vorteil, dass der Empfänger deutlich weniger Intermodulationsprodukte erzeugt. Mit anderen Worten, er wird Grosssignalfester. Mit dem grossen Abstimmknopf aus Aluminium lässt sich die Empfangsfrequenz seidenweich einstellen dank dem optischen Encoder. Mit "VOLUMEN" lässt sich die Lautstärke regeln.

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Empfangstest

Ich habe den RF-Shark über mehrere Wochen auf dem Tisch gehabt und ihn mit meinem Empfängerpark verglichen. Das waren hauptsächlich der Winradio G33DDC Excalibur und den Icom IC-R8600. Als Antennen kam der Stampfl Aktivdipol, Datong AD370, Reuter Kreuzloop und die UniWhip von DL4ZAO zum Einsatz.

Der Empfangsbereich fängt bei 40KHz an und bietet die Möglichkeit, Aussendungen im VLF- Bereich zu empfangen. Auf 45.9KHz sendet die Marinestation NSY aus Italien. Diese war mit dem RF-Shark in USB sehr gut zu empfangen. Somit waren auch die Zeitzeichen auf 60KHz und 77.5KHz aufzunehmen. Beim Empfang der Zeitzeichen habe ich eine Eigenheit des RF-Shark festgestellt. Normalerweise empfängt man die Zeitzeichen in der Betriebsart "CW". Stellt man beispielsweise das Zeitzeichen auf 60KHz in CW ein, ist nichts zu hören. Der Träger ist in Schwebungsnull. Damit der Empfang in CW klappt, muss die Empfangsfrequenz um ca. +700Hz verstimmt werden, damit das Signal hörbar wird. Das galt auch für alle anderen in der Betriebsart CW empfangbaren Aussendungen. Das liegt daran, dass der RF-Shark kein "BFO" besitzt, mit dem man die Tonhöhe einstellen kann. Im Vergleich mit den wesentlich teureren Geräten bietet der RF-Shark einen ordentlichen Empfang im VLF- Bereich. Übersteuerungen wurden keine festgestellt. Der Langwellenbereich spielt unauffällig gut. Die Unterschiede zu den teuren Geräten sind kaum auszumachen, solange die Sender nicht zu nahe beieinander sind. Beim Rundfunk- Empfang fällt die sehr angenehme Audio des RF-Shark auf. Er rauscht kaum und die Audio ist schön hell. Die Empfindlichkeit ist ausreichend für den Empfang schwacher Stationen. Auch die Bandbreiten von 6KHz(AMN) und 9KHz(AMW) lassen sich hier gut einsetzen. Schaltet man mit dem Taster "RADIO" auf die Langwelle, wird automatisch die Schrittweite von 9KHz gewählt. Leider ist diese Schrittweite nicht passend für diesen Bereich, denn es gibt Sender auf LW die nicht in diese Schrittweite passen. Als Beispiel Europe 1 auf 183KHz. Die Schrittweite lässt sich aber mit der Taste "STEP" auf den erforderlichen Wert ändern. Die Mittelwelle macht Spass! Hier stimmt fast alles. Es wird nur die 10KHz Schrittweite vermisst für den Empfang amerikanischer Mittelwellenstationen. Im Grenzwellenbereich, welches noch ohne Preselektorabstimmung arbeitet, wurden keine Intermodulationen oder dergleichen festgestellt. In den besagten unteren Bereichen, ist der RF-Shark etwas weniger empfindlich als die Vergleichsgeräte. Etliche Piratensender aus den Niederlanden, Griechenland und Serbien konnten hier trotzdem aufgenommen werden. Ab 3MHz wird der manuelle Preselektor aktiv. Ab hier muss der Preselektor ca. alle 50KHz nachgestellt werden. Diese Handarbeit hat einen Vorteil. Der Empfänger ist durch die manuelle Nachstimmung der Vorselektion sehr Grosssignalfest und verträgt auch grosse Antennen. Der Streifzug durch die Kurzwelle brachte die Erkenntnis, dass bei dicht belegten KW- Bändern die Audio oft von einem Interferenzpfeifen beeinträchtigt wurde. Das hat mit den zu breiten Bandbreitenfiltern zu tun. Tagsdurch, wenn die Bänder nicht sehr stark belegt sind, kommt man gut mit dem 6KHz zurecht. Das 9KHz ist meistens Tagsüber auf LW oder MW brauchbar. Der RF-Shark kann auch echtes SSB. Und das sogar recht gut. Hierfür wird ein hochwertiges 3KHz- Keramikfilter von Murata eingesetzt. Utility- Stationen wie z.B. Shannon Volmet auf 5505KHz waren sehr gut und verständlich zu empfangen. Den Amateurfunk kann man mit den RF-Shark auch gut abhören. Mit seinen kleinen Schrittweiten von 10Hz & 100Hz, lässt sich das Gerät perfekt auf den Sender abstimmen. In der Betriebsart SSB wurde eine Eigenheit festgestellt. Sind die SSB- Stationen sehr stark, kann die Audio manchmal etwas verzerren. Hier rät der Hersteller das einschalten des Dämpfungsgliedes. Alles in allem ist der Empfang auf Kurzwelle gut bis sehr gut! Die Empfindlichkeit ist auch hier nicht allzu hoch. Erfreulich allerdings ist das sehr geringe Eigenrauschen des RF-Shark. Das S-Meter erwies sich leider als sogenanntes "Schätzeisen". Aber zum abstimmen des Preselektors eine gute Hilfe.

Die Tuningsoftware für den RF-Shark

Der RF-Shark wird Standardmässig mit einer einfachen Bediensoftware ausgeliefert. Dr. Ernst Kirschbaum (DL2EBV), Spezialist für Software und Programmierung, erkannte das Potenzial des RF-Shark und machte sich daran die Bediensoftware zu optimieren und zu erweitern. Die Spezialversion ermöglicht eine erweiterte Bedienung des RF-Shark. So lässt sich z.B. die Pulsrate des Encoders zwischen 50 & 100 Impulsen pro Umdrehung einstellen und unter anderem 50 Speicher freischalten. Die spezielle Firmwareversion 1.5 oder bald mal 1.6 sind nicht offiziell und nur auf Anfrage bei Heinz Stampfl für CHF 30.- erhältlich.

Untern diesem >Link< kann die Bedienungsanleitung der erweiterten Firmware runterladen werden.

Fazit

Für den versierten Bastler mit Geduld ist der RF-Shark einfach zu realisieren. Es sind doch immerhin um die 500 Bauteile die zu verbauen sind. Ist das Gerät korrekt aufgebaut, bietet dieser guten LMK Empfang und sogar den VLF- Bereich ab 40KHz. Leider sind die Bandbreitenfilter etwas zu breit geraten. Bei stark belegten Rundfunkbändern wird das Hören oft von einem Interferenzpfeifen begleitet. Der eingebaute Lautsprecher liefert einen akzeptablen Klang, kann aber mit einem guten externen Lautsprecher, wie z.B. den Bose Soundlink Mini, deutlich verbessert werden. Die Gesamtverarbeitung des Gerätes ist von guter Qualität und man merkt das Herzblut das darin steckt. Ein rundum gelungener Bausatz, der sich mit der Spezialfirmware noch etwas tunen lässt!

gepostet: 01.12.2019

 

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